Ein Polizist aus Schweden wurde am 30. Juni beim Besuch eines Fußballspiels in Kopenhagen niedergeschlagen und starb drei Tage später.
Ein Fußballabend endet tödlich
Christian Zedig war außer Dienst und mit Freunden in Kopenhagen unterwegs, als es bei einer öffentlichen Übertragung der Fußballweltmeisterschaft auf Islands Brygge zu einer Auseinandersetzung kam. Der 32-jährige Polizeibeamte versuchte, in das Geschehen einzugreifen. Dabei traf ihn ein Faustschlag.
Nach Angaben der Kopenhagener Polizei schlug der damals 31-jährige Täter kräftig gegen die linke Kopf- beziehungsweise Nackenseite des Schweden. Dabei riss eine Arterie. Zedig starb an den Verletzungen.
Täter aus dem Kongo
Der Verdächtige stellte sich an diesem Tag der Polizei und kam in Untersuchungshaft. Am Mittwoch sprach das Kopenhagener Stadtgericht das Urteil gegen Nkumba Ludovic Tshiembe aus dem Kongo: ein Jahr Freiheitsstrafe.
Der Angeklagte hatte sich zu Beginn der Verhandlung schuldig bekannt. Zusätzlich verhängte das Gericht ein Aufenthaltsverbot für bestimmte Bereiche des Nachtlebens.
Vorbestraft wegen schwerer Verbrechen
Der dänische Staatsbürger war bereits wegen schwerer Straftaten verurteilt worden, darunter Vergewaltigung, schwere Körperverletzung und versuchter Tötung. Für Letzteres hatte er eine siebenjährige Haftstrafe erhalten.
Nur wenige Tage vor dem jüngsten Urteil war er wegen Gewalt gegen einen Mitgefangenen verurteilt worden.
Staatsanwalt und Verteidigung für Milde
Grundlage des Verfahrens war der Tatbestand der einfachen Körperverletzung verbunden mit der Rückfallbestimmung. Bereits die Anklage berücksichtigte damit die einschlägigen Vorstrafen.
Die Staatsanwaltschaft verlangte in ihrem Schlussvortrag dennoch nur mindestens ein Jahr Haft; die Verteidigung plädierte auf höchstens zehn Monate. Denn, so die Staatsanwaltschaft, ein einzelner Faustschlag ende normalerweise nicht tödlich. Das Gericht verhängte zwölf Monate, der Verurteilte will keine Berufung einlegen.
Forderung nach Verschärfung des Urteils
Justizminister Nicolai Wammen von Socialdemokratiet, den dänischen Sozialdemokraten, bekräftigte nach dem Urteil seine Forderung nach härteren Strafen für Wiederholungstäter. Wer bereits durch Gewalt aufgefallen sei, müsse bei erneuter Gewalt mit tragischen Folgen stärker bestraft werden. Dazu werde er einen Gesetzentwurf vorlegen.
Dänische Volkspartei spricht von einem Skandal
Anders Vistisen, rechtspolitischer Sprecher der Dansk Folkeparti, kritisierte nach demselben Bericht: „Wir halten es für einen Skandal, wenn Gewalt zum Tod führt und man dann nur mit einem Jahr bestraft wird.“ Er verlangte, die tödlichen Folgen einer Gewalttat stärker zu gewichten und die gesetzlichen Bestimmungen entsprechend zu ändern.
Der Vorsitzende der Dänischen Volkspartei, Morten Messerschmidt, äußerte sich ebenfalls empört. „Zwölf Monate … Ja, ihr habt richtig gelesen“, schrieb er auf X. In seinem Beitrag stellte er die kurze Freiheitsstrafe dem Verlust gegenüber, den Zedigs Frau und seine beiden Töchter erlitten haben.
Politische Debatte schon im Sommer
Die Forderung nach schärferen Gesetzen entstand allerdings bereits vor dem Urteil. Ministerpräsidentin Mette Frederiksen, ebenfalls Socialdemokratiet, hatte schon im Juli ihre Trauer und Wut über den Fall zum Ausdruck gebracht. Im August kritisierte sie das damals erwartete Strafmaß.
Die Regierung hatte ihre Absicht, die Strafen in bestimmten Wiederholungsfällen mit tödlichem Ausgang zu verschärfen, bereits vor der Gerichtsverhandlung angekündigt.
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