Mit seinem Phlegma und dem Stillstand in der Verlierer-Ampel, die er damit verkörpere, habe sich ÖVP-Kanzler Christian Stocker bisher als „Austro-Buddha“ wohlgefühlt, sagte FPÖ-Chef Herbert Kickl im Dezember im Nationalrat. Sein Schweigen zu Skandalen lässt aber auch vermuten, dass Stocker schon alles egal sein könnte.
Einfluss auf Postenbesetzungen
Keine Meinung zu den Gagen-Kaisern in der ÖVP-nahen Wirtschaftskammer, kein Wort zur parteipolitischen Besetzung des ORF-Generaldirektors, nicht einmal ein Wimpern-Zucken, als der „Dobermann“ seiner Partei, Andreas Hanger, von ÖVP, SPÖ und Neos davor geschützt wurde, wegen angeblicher „falscher Beweisaussage“ an die Staatsanwaltschaft ausgeliefert zu werden.
Und zuletzt schwieg der Regierungschef auch, als ein Protokoll, das dem profil und der Kronen Zeitung zugespielt wurde, den schweren Verdacht dokumentierte, dass der Wiener Wirtschaftskammer-Präsident Walter Ruck gemeinsam mit SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig Einfluss auf Postenbesetzungen genommen haben soll. Für beide gilt die Unschuldsvermutung.
Klare Worte vermisst
Die Liste von Ereignissen, bei denen die Österreicher sich keinen phlegmatischen Buddha, sondern eine Führungspersönlichkeit gewünscht hätten, die klare Worte spricht, könnte in der kurzen Regierungszeit des vom Volk nicht gewählten Kanzlers beliebig verlängert werden.
Schweigen als Kommentar
Innenpolitik-Experte Claus Pándi von der Kronen Zeitung ist ebenfalls aufgefallen, dass Stocker zu unangenehmen Vorkommnissen lieber keine Meinung hat. Er fragt sich, „ist schon alles egal?“ Es sei beklemmend, dass der Kanzler das Verhalten seiner Parteifreunde lediglich mit Schweigen kommentiere, obwohl diese Grauslichkeiten, mögen sie rechtlich vielleicht durchgehen, jedenfalls das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit des Staats und seiner Institutionen untergraben.
“Ich könnte in Pension gehen”
Sieht man sich die aktuellen Umfragen an, könnte die Kanzlerschaft von Christian Stocker dem Ende zugehen. Vielleicht früher, als gedacht. Auf seiner Sommertour ließ der ÖVP-Chef jedenfalls mit dem Satz, „Ich müsste das nicht mehr machen, ich könnte in Pension gehen“, aufhorchen. Und er vermittelte den Uneigennutz seines Handelns: „Was ich mache, mache ich für Sie“.Â
Ob mit dem Ausdruck „für Sie“ tatsächlich das Volk gemeint war, oder doch seine Parteifreunde, die sich im Dunstkreis seiner Kanzlerschaft im geschützten System sicher fühlen?
