Die Debatte über Südtirols Zukunft hat mit Melanie Mair eine junge, selbstbewusste Stimme erhalten. Das fasziniert. Und so lud die Tiroler Tageszeitung die Jugendsprecherin der Süd-Tiroler Freiheit zum Interview.
Sprache, Heimat und leistbares Wohnen
Mair verbindet darin das Anliegen der Selbstbestimmung mit den Alltagssorgen der Bevölkerung. Nach ihrer Vorstellung für die kommenden zehn bis zwanzig Jahre gefragt, antwortet sie:
Ich hoffe auf ein Südtirol, in dem unsere Sprache, unser Brauchtum und unsere Kultur weiterhin gepflegt werden.
Dazu gehört für sie ein Land, in dem sich junge Menschen eine Wohnung oder ein Eigenheim leisten können. Mair beklagt, dass es teilweise bereits an der Finanzierung scheitere. Ebenso wichtig sei ihr, dass ein Gefühl der Sicherheit zurückkehre. Gerade in Städten und nachts fühlten sich viele junge Menschen nicht mehr sicher, erklärt sie.
Ein klares Bekenntnis zur Tiroler Identität
Besonders deutlich wird Mair bei der Frage nach ihrer Zugehörigkeit:
Ich persönlich antworte immer: Ich bin Tirolerin. Schon auch Südtirolerin, aber eher Tirolerin.
Zugleich betont sie die Verbindung zur deutschen Kultur. Damit knüpft sie an den aktuellen Streit um die Wahlkreise an. Die Neuordnung im Unterland hat die Frage nach der politischen Vertretung der Bevölkerung zusätzlich verschärft. Es gehe um den Schutz der deutschen und ladinischen Volksgruppe und die Selbstbestimmungsfrage.
Warum sie Jean-Pascal Hohm eingeladen hat
Dass Mair größer denkt, also über die Südtiroler Landesgrenzen hinaus, verstört den Mainstream. So wurde in den letzten Wochen kritisiert, dass sie den AfD-Politiker Jean-Pascal Hohm zum Jugendtreffen in Tramin eingeladen hatte.
Dies verteidigte Mair ausdrücklich:
Deshalb muss ich sagen, war es einfach eine sehr gute Entscheidung, ihn einzuladen.
Hohm kenne Südtirols Geschichte und habe in seiner Rede zentrale Themen angesprochen, darunter die Wahlkreisverschiebung im Unterland und die politische Landschaft des Landes. Sie habe den Eindruck, dass ihm die Unterstützung der deutschen und ladinischen Sprachgruppe ein Anliegen sei. Hohms Aussagen über ein „vereintes Volk“ deutet sie als Bekenntnis zur gemeinsamen deutschen Identität.
Sicherheit und Rückkehrforderungen
Auch in der Migrationspolitik bezieht Mair Position. Sie fordert, dass illegal eingewanderte Orientale, Afrikaner und Sonstige sowie straffällig gewordene Personen das Land verlassen müssten.
Fangfrage Ausweisung von Staatsbürgern
Darüber hinaus spricht die 29-Jährige dies auch für Menschen an, die sich nicht anpassen wollten.
Auf die ausdrückliche Nachfrage von Felix Zurchristian nach einer Ausweisung von Staatsbürgern bleibt sie sicherheitshalber vage. Zunächst müsse genauer definiert werden, wer unter den Begriff „Remigration“ falle. Sie verweist auf Staaten, die unter bestimmten Voraussetzungen die Staatsbürgerschaft entzögen, und erklärt zugleich, diese Frage liege außerhalb der Zuständigkeit Südtirols.
Positive Bewertung des Besuchs in Schnellroda
Von ihrem Besuch beim Sommerfest des neurechten Antaios-Verlags in Schnellroda distanziert sich Mair nicht. „Nein, ich bereue die Teilnahme auf gar keinen Fall“, sagt sie. Die Berichterstattung hält sie für überzogen und schließt einen neuerlichen Besuch nicht aus.
Wer politisch tätig sei, müsse zu seinen Überzeugungen stehen:
Ich bin der Auffassung, dass, wenn man politisch tätig ist, man zu etwas steht oder eben nicht.
Widerspruch zur Diffamierung
Verleger Götz Kubitschek beschreibt sie aufgrund ihrer persönlichen Begegnung als höflich und belesen. Interviewer Zurchristian hält ihr dessen Einstufung durch den Verfassungsschutz und eine gerichtliche Bestätigung aus dem Jahr 2023 entgegen. Mair weist die daraus abgeleitete Bewertung der Veranstaltung zurück. Sie habe keine Förderung demokratiefeindlicher Positionen wahrgenommen.
Wo Mair ihre rote Linie zieht
Ihre persönliche Grenze beschreibt Mair anhand konkreter Positionen. Wer Menschen wegen ihrer Hautfarbe die Gleichwertigkeit abspreche oder die Demokratie aktiv bekämpfe, überschreite diese Grenze.
Den Vorwurf des Rechtsextremismus gegenüber ihrem politischen Umfeld weist sie zurück. Zugleich warnt sie davor, politische Auseinandersetzungen durch pauschale Etikettierungen zu ersetzen. Nach ihrer Einschätzung verstärke dies die gesellschaftliche Spaltung.
Eine Kandidatur bleibt offen
Ob die große Aufmerksamkeit bereits als Auftakt eines Landtagswahlkampfs für 2028 verstanden werden kann, lässt Mair offen.
Ich habe noch nicht entschieden, ob ich überhaupt zu einer Wahl antreten werde.
Dass sie inzwischen weit über ihr bisheriges Umfeld hinaus bekannt ist, führt sie vor allem auf die Berichterstattung zurück. Diese habe ihren Sommer politisch spektakulärer erscheinen lassen, als sie ihn selbst erlebt habe. An ihren Positionen hält sie dennoch fest: Tiroler und letztlich deutsche Identität, die Zukunft der Heimat und die Sorgen junger Menschen sollen ihren politischen Kurs bestimmen.
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