Die Krise der Neos geht weiter: Mit dem Grazer Neos-Chef Philipp Pointner ist erneut ein wichtiger Funktionär aus der Partei ausgetreten.
Stadtpartei wusste wochenlang nichts vom Austritt
Bereits am 2. Juli soll Pointner aus der Partei ausgetreten sein – was offenbar wochenlang unbemerkt blieb. Denn wie die steirische Neos-Landesgeschäftsführerin Lena Berner gegenüber dem ORF sagte, sei die Grazer Stadtpartei erst über die Bundespartei von Pointners Austritt informiert worden.
Schlechtes Wahlergebnis bei Graz-Wahl
Gestern, Montag, machte er seinen Austritt auch nach außen sichtbar: Er löschte seine Instagram-Seite und verließ alle Chatgruppen der Partei. Hintergrund des Austritts soll die Grazer Gemeinderatswahl gewesen sein, bei der die Pinken ihr ausgegebenes Ziel eines dritten Mandats deutlich verfehlten. Pointner soll zudem gehofft haben, bei möglichen Koalitionsverhandlungen das “Zünglein an der Waage” zu sein. Daraus wurde jedoch nichts: Die Grazer Neos erreichten am Wahltag lediglich 4,9 Prozent und damit zwei Mandate – obwohl die Umfragen zuvor eher auf einen Zuwachs hingedeutet hatten.
Pointner gibt Gemeinderatsmandat ab
Sein Gemeinderatsmandat will Pointner nach seinem Austritt jedenfalls zurücklegen. Beruflich will sich der hauptberuflich als Dirigent tätige Politiker künftig auf die Musik konzentrieren. Klarheit über sein Mandat soll es erst bei der konstituierenden Sitzung des neuen Gemeinderats am 27. August geben. Sollte Pointner sein Mandat nicht antreten, könnte statt der Listenzweiten Verena Garber möglicherweise der Listendritte Alexis Pascuttini nachrücken. Der frühere FPÖ-Gemeinderat gründete später den „Korruptionsfreien Gemeinderatsklub“ (KFG). Sein Wechsel zu den Neos sorgte parteiintern bereits im Vorfeld für Kritik.
Immer mehr Prominente unzufrieden mit der Partei
Bereits in den vergangenen Wochen haben die Neos prominentes Personal verloren: Nach dem Ausschluss von Mitbegründer und Nationalratsabgeordnetem Veit Dengler – der danach an seiner ehemaligen Partei kein gutes Haar mehr ließ und mit Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger hart ins Gericht ging – zog sich auch der langjährige Präsident der Ärztekammer Steiermark und Neos-Mitgründer Wolfgang Routil zurück. Er begründete den Schritt mit der autoritären Führung und dem Reformstau, die die selbsternannte Erneuerungspartei erfasst hätten. Auch der ehemalige Nationalratsabgeordnete Johannes Margreiter verabschiedete sich mit deutlichen Worten aus der Partei und bezeichnete die Pinken als „verzichtbare Allerweltspartei“.
