Als der populäre Innenpolitik-Redakteur Hans Bürger sinngemäß meinte, er schaue aufgrund der Objektivität der Berichterstattung (Corona) lieber ServusTV als ORF, wurde er vom Sender degradiert. Blüht nun auch der Magazin-Chefin Lisa Totzauer das gleiche Schicksal?
ORF könnte sich zur Infrastruktur für Glaubwürdigkeit entwickeln
Bemerkenswert ist es allemal, was Totzauer aus Anlass eines antisemitischen Postings eines ORF-Kollegen gegenüber dem Standard sagte:
Wenn der ORF jetzt den Mut hat, sich als verlässliches Gegengewicht zur digitalen Logik der Empörung zu positionieren, kann er sich zur demokratischen Infrastruktur des 21. Jahrhunderts, zur öffentlichen Infrastruktur für Glaubwürdigkeit entwickeln.
Glaubwürdigkeit über Jahre gelitten
„Dass eine leitende Mitarbeiterin des ORF erklärt, dieser müsse seine Glaubwürdigkeit neu erfinden, das hat schon etwas Spezielles“, schrieb daraufhin Christian Ortner in seiner Kolumne „Quergeschrieben“ in der Presse. Vor allem aber sei es eine völlig zutreffende Diagnose – das Vertrauen in die Objektivität des öffentlich-rechtlichen Medienhauses habe tatsächlich über die Jahre gelitten.
Keine kühle Distanz in der Klimapolitik
Ortner nannte auch die Ursachen dafür beim Namen: Da werde etwa seit zehn Jahren über die Folgen der massenhaften illegalen Einwanderung so berichtet, dass die negativen Konsequenzen eher in den Hintergrund treten und allfällige günstige Entwicklungen in den Vordergrund gerückt würden. Und auch in der Klimapolitik erzeuge der ORF den Eindruck, nicht immer die notwendige kühle Distanz zum Gegenstand der Berichterstattung aufzubringen.
Blamage mit Selbstentzündung des Holzes
Legendär: Im Ö1-Journal war über eine Hitzewelle und als Folge dessen die Selbstentzündung des Holzes bei 40 Grad berichtet worden. Darüber machte sich selbst der Wetterexperte Jörg Kachelmann lustig – er meinte:
Genau das ist das Problem, wenn man Waldbrände als klimawandelentzündet umlügt: Man bringt dann das ganze Thema und dessen wissenschaftliche Zusammenhänge in Misskredit.
Bühne für politisch gefärbte „Experten“
Den nächsten Skandal der Sonderklasse hatte im Jänner 2024 die „ZIB2“ geliefert, als der ORF einer „Extremismus-Expertin“ eine Bühne geboten hatte, die dann im Fernsehen allen Ernstes fordern durfte, FPÖ-Chef Herbert Kickl von allen politischen Ämtern auszuschließen.
Politische Vielfalt wird nicht abgebildet
Das Problem mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk sei, analysierte der Sozialforscher Bernhard Heinzlmeier in einer ServusTV-Sendung, dass es dem ORF nicht gelinge, die politische Vielfalt der Bevölkerung abzubilden. Und deshalb käme der ORF unter Druck. Das sei übrigens auch bei den Printmedien so. Wenn es Zeitungen nicht gelinge, die politische Vielfalt im Land bis zu einem gewissen Grad abzubilden und das Medium immer mehr zu einem Nischen-Heft werde, ginge die Kurve bei den Lesern hinunter.
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