Ein Fördernehmer, 52 Einzelförderungen, ein einziges Jahr. Der Wiener Stadtrechnungshof hat die Kulturabteilung im Rathaus durchleuchtet und einen Apparat beschrieben, der Anträge zuhauf abwinkt und denselben Empfänger dutzendfach durchwinkt.
52 Zusagen, drei Viertel Absagen
Der am Dienstag veröffentlichte Bericht betrifft das Jahr 2024. Die Magistratsabteilung für Kultur und Wissenschaft bearbeitete demnach knapp 6.800 Förderansuchen.
Im zuständigen Fachreferat für bildende Kunst wurden 74,8 Prozent abgelehnt, in der darstellenden Kunst 60,5 Prozent, in der Musik 54,1 Prozent und in der Literatur 50,2 Prozent. Zugesagt wurden trotzdem 308 Millionen Euro, davon 140,1 Millionen für die darstellende Kunst, 40,3 Millionen für Musik, 16,3 Millionen für bildende Kunst und nicht einmal vier Millionen für Literatur. Abgewickelt wurde das über 40 Programme und 30 Richtlinien, womit knapp 80 Prozent der Mitarbeiter beschäftigt waren.
Kleinvieh, großer Aufwand
Der eigentliche Prüfbefund sitzt in der Bezirkskultur. Dort liefen 2.228 Fälle, ein Drittel aller Anträge, aber nur sechs Millionen Euro und damit zwei Prozent des Volumens. Der Aufwand sei in Relation unverhältnismäßig hoch gewesen, der Ablauf verzögert. Nahezu alle Anträge, 99,4 Prozent, wurden angenommen. Ein Empfänger erhielt 52 Bezirkskulturförderungen, 21 weitere jeweils mehr als zehn.
Die Beträge waren eher gering, jeder Fall lief aber durch sämtliche Prozessschritte. Gleichzeitig stellte das Amt vermehrt Rückforderungen unter zehn Euro, deren Aufwand nach den Prüfern in keinem Verhältnis zum Nutzen stand. Rund 60 Prozent der abrechnungsrelevanten Fälle entfielen auf Bezirksförderungen, die Prüfung dauerte dort im Schnitt rund elf Monate. Bei rund einem Viertel aller Fälle wurde die Fünf-Monats-Frist gerissen, 95 Prozent dieser Überschreitungen betrafen die Bezirkskultur.
Kein Überblick, viel Bürokratie
Rund 20 Prozent der Fördernehmer erhielten mehrere Zusagen. Der Stadtrechnungshof sieht darin zusätzlichen Aufwand und ein erhöhtes Risiko unerwünschter Doppel- und Mehrfachförderungen. Das System kann nicht stadtweit prüfen, ob andere Magistratsstellen bereits Geld zugesagt haben.
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