An Wiens Schulen ist Deutsch als Umgangssprache längst nicht mehr selbstverständlich. Im Schuljahr 2024/25 hatten 48,9 Prozent der Schüler eine nicht-deutsche Umgangssprache – beinahe jeder Zweite. Das zeigt das neue Factsheet „Schule und Integration 2026“ des Österreichischen Integrationsfonds.
Wien liegt weit vor den anderen Bundesländern
Der Abstand zum österreichischen Durchschnitt ist erheblich. Bundesweit lag der Anteil der Schüler mit nicht-deutscher Umgangssprache bei 26,0 Prozent. Das rot-pink regierte Wien erreichte mit 48,9 Prozent den höchsten Wert aller Bundesländer. Auch beim Anteil ausländischer Schüler liegt die Bundeshauptstadt vorne: 38,1 Prozent der Wiener Schüler waren 2024/25 Ausländer – Schüler mit Migrationshintergrund nicht mit einberechnet.
Damit zeigt sich ein deutliches Stadt-Land-Gefälle. Wien ist innerhalb Österreichs ein Sonderfall, wenn es um die sprachliche Zusammensetzung der Schulen geht. Besonders hohe Werte registriert der ÖIF in den migrantisch geprägten Bezirken Favoriten, Simmering und Ottakring.
Fast jedes zweite Kind mit anderer Umgangssprache
Insgesamt besuchten im Schuljahr 2024/25 rund 1,14 Millionen Kinder und Jugendliche eine Schule in Österreich. 20,9 Prozent davon waren Ausländer. Gleichzeitig erreichte der Anteil der Schüler mit nicht-deutscher Umgangssprache 26,0 Prozent. Der ÖIF hält allerdings fest, dass dieser Anteil nach jahrelangen Anstiegen zuletzt leicht zurückging.
Bei den nicht-deutschen Erstsprachen dominieren laut Factsheet Bosnisch/Kroatisch/Serbisch und Türkisch. Die Statistik zeigt damit nicht nur, dass Wien sprachlich vielfältiger geworden ist, sondern auch, wie stark sich diese Entwicklung im Bildungssystem niederschlägt.
Sprachvielfalt trifft auf Bildungsrealität
Besonders deutlich wird die Herausforderung bei den außerordentlichen Schülern. 2024/25 waren österreichweit 50.813 Schüler außerordentlich, in Wien lag deren Anteil bei 7,8 Prozent. Bei den Wiener Volksschülern waren es sogar 19,6 Prozent. Bei den Schulanfängern der nullten und ersten Schulstufe wurden, wie berichtet, im Schuljahr 2025/26 schließlich 50,9 Prozent wegen unzureichender Deutschkenntnisse außerordentlich geführt.
Auch bei den Leistungsergebnissen findet sich ein entsprechender Befund. Das ÖIF-Dokument verweist auf die iKMPLUS-Ergebnisse, wonach Schüler mit Deutsch als Erstsprache am Ende der Primarstufe in Mathematik und bei den Deutschkompetenzen bessere Ergebnisse erzielten. Damit landet die sprachliche Veränderung nicht nur in der Statistik, sondern mitten im Klassenzimmer.
