Die bisherige Amtsinhaberin Ilijana Jotowa hat die Stichwahl gegen ihren prowestlichen Herausforderer Andrej Gjurow deutlich gewonnen.
Brüssel erfährt eine Niederlage
Die frühere EU-Abgeordnete und langjährige Politikerin der Sozialisten setzt sich damit gegen den Kandidaten des reformorientierten liberal-konservativen Oppositionslagers durch, der wiederum Brüssels Lieblingskandidat war.
Bereits im ersten Wahlgang hatte Jotowa mit 34,76 Prozent der Stimmen vor Gjurow gelegen, der 31,95 Prozent erreichte. Da keiner der 27 Kandidaten die absolute Mehrheit erzielen konnte, wurde die Stichwahl notwendig.
Richtungsentscheidung nach Osten
Nach derzeitigem Auszählungsstand führt Jotowa mit rund 58 Prozent deutlich vor ihrem Konkurrenten, der auf knapp 39 Prozent kommt. Jotowa erklärte, dass sie Bulgarien zwar auf einem europäischen Kurs sieht, aber gleichzeitig auf mehr Eigenständigkeit kleinerer Staaten pocht und die Beschlüsse der großen EU-Länder nicht einfach automatisch übernehmen wolle.
Die Wahl ist auch ein Stimmungstest für die erst seit einem halben Jahr amtierende Regierung. Jotowa wurde von der regierenden Mitte-links-Partei Progressives Bulgarien (PB) sowie den Sozialisten (BSP) unterstützt.
Ost- oder Westorientierung
Die 62-jährige Jotowa steht für eine außenpolitische Linie, die auf Verhandlungen mit Russland und eine diplomatische Lösung des Ukraine-Krieges setzt.
Der 50-jährige promovierte Ökonom Andrej Gjurow wurde von reformorientierten und prowestlichen Oppositionskräften unterstützt. Er steht für eine stärkere Orientierung Bulgariens an den westlichen Partnern sowie für eine intensivere Unterstützung der Ukraine im russischen Angriffskrieg.
Seine Niederlage fiel deutlicher aus, als es die Erwartungen seines Lagers und Brüssels nahegelegt hatten.
Ukraine-Krieg und Lebenshaltungskosten prägen die Entscheidung
Die Präsidentschaftswahl fand in einem schwierigen wirtschaftlichen und geopolitischen Umfeld statt. Bulgarien liegt an der Ostflanke der NATO und ist vom Krieg in der benachbarten Ukraine unmittelbar betroffen. Die unterschiedlichen Positionen der Kandidaten zur Russlandpolitik verliehen dem Wahlkampf daher besondere Bedeutung.
Gleichzeitig belasten steigende Lebenshaltungskosten und hohe Treibstoffpreise die Bevölkerung.
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