Der modernisierte Villacher Hauptbahnhof wurde am 15. Oktober eröffnet. Bis 2040 will die EU ein leistungsfähiges Eisenbahnhochgeschwindigkeitsnetz ermöglichen. Das könnte für Kärnten neue Perspektiven bieten. Doch zwischen politischen Beschlüssen aus Brüssel und schnellen Zugverbindungen nach Italien, Slowenien und Deutschland liegen noch erhebliche Hindernisse.
Villacher Verkehrsknoten soll gestärkt werden
92 Millionen Euro investierten die ÖBB in die Modernisierung des Villacher Hauptbahnhofs: Die Fernverkehrsbahnsteige wurden auf 420 Meter verlängert, Gleisanlagen erneuert und barrierefreie Zugänge geschaffen. Damit soll Villach als wichtiger Personen- und Warenverkehrsknoten zwischen Österreich, Italien und Slowenien verstärkt werden.
Die Eröffnung des überholten Bahnhofs fiel in eine wichtige Woche der europäischen Verkehrspolitik, denn am 20. Oktober stimmte das EU-Parlament über Empfehlungen für den Ausbau des europäischen Hochgeschwindigkeitsnetzes ab. Abstimmungsgrundlage war ein Aktionsplan der EU-Kommission vom November 2025, wonach Europa durch schnellere Bahnverbindungen – bis 2040 – enger zusammenwachsen soll.
Kärnten als Drehscheibe im Alpen-Adria-Raum
Mit der Inbetriebnahme der Koralmbahn im Dezember 2025 hat Kärnten bereits ziemliche Fortschritte erzielt. So benötigen die schnellsten Züge zwischen Graz und Klagenfurt nur noch 41 Minuten, zwischen Graz und Villach rund 65 Minuten Fahrzeit. Auch die Verbindung nach Wien wurde deutlich verbessert.
Was passiert auf der anderen Seite?
Doch entscheidend ist natürlich auch, was auf der anderen Seite der österreichischen Grenzen geschieht. Die EU-Kommission verspricht beispielsweise, die Reisezeit zwischen Wien und Ljubljana (Laibach) langfristig von gut sechs auf viereinhalb Stunden zu verkürzen. Für die Attraktivität Villachs als Knotenpunkt Richtung Italien und Slowenien sind leistungsfähige Anschlüsse das Um und Auf.
Wo bleiben die schnelleren internationalen Verbindungen?
Gerade bei den grenzüberschreitenden Strecken bestehen allerdings weiterhin Probleme. Auf der italienischen Bahntrasse auf der Pontebbana, der wichtigen Verbindung durch das Kanaltal, waren bis September 2026 umfangreiche Modernisierungsarbeiten notwendig. Auch für die Verbindung über den Karawankentunnel nach Slowenien ist noch eine abgestimmte Infrastrukturplanung notwendig. Dazu kommen Einschränkungen auf der Tauernbahn, die für den Verkehr Richtung Salzburg und Deutschland wichtig ist.
Nutzen für Villach fraglich
Der ÖBB-Fahrplan 2027 bringt zusätzliche Verbindungen zwischen Graz und Villach. Neue Frecciarossa-Hochgeschwindigkeitszüge von München nach Mailand und Rom sollen ab Sommer 2027 allerdings über Innsbruck verkehren – und nicht über Kärnten. Weshalb sich die Frage stellt, ob Villach von der europäischen Hochgeschwindigkeitsstrategie tatsächlich profitieren wird oder vor allem ein modernisierter Umsteigebahnhof bleibt.
Brüssel muss konkrete Antworten liefern
Am 20. Oktober 2026 befürwortete das Parlament seine Empfehlungen zur Beschleunigung der Entwicklung der Hochgeschwindigkeitsbahnverbindung der EU und zur Verbesserung des territorialen Zusammenhalts, wie es so schön heißt. Für Kärnten müssen deshalb drei Fragen geklärt werden: Welche zusätzlichen schnellen Direktverbindungen nach Italien, Slowenien und Deutschland sind von der EU-Kommission konkret vorgesehen? Welche Streckenabschnitte müssen dafür ausgebaut werden? Und welchen Beitrag leistet die EU zur Finanzierung? Kärnten braucht nämlich nicht nur moderne Bahnhöfe, sondern auch schnelle, funktionierende und internationale Verbindungsanschlüsse.
Zur Autorin: Elisabeth Dieringer ist freiheitliche Abgeordnete des Europäischen Parlaments und unter anderem Mitglied im Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz, der Delegation im Gemischten Parlamentarischen Ausschuss EU-Nordmazedonien und stellvertretendes Mitglied der Delegation in der Parlamentarischen Partnerschaftsversammlung EU-Vereinigtes Königreich.
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