In Dänemark ist der Pass vorerst tabu. Seit Monaten bürgert das Land niemanden mehr ein, rund 16.000 Menschen, die laut Berichten von Blick und NZZ die gesetzlichen Hürden bereits erfüllt haben, warten auf einen Entscheid – und eine Sprecherin der Dänischen Sozialdemokraten hält es für denkbar, dass bis Oktober 2027 keine neue Liste kommt. Während Kopenhagen die Staatsbürgerschaft zur politischen Grundsatzfrage macht, verteilt Österreich weiter: 25.095 neue Pässe allein 2025, im ersten Halbjahr 2026 noch einmal 13.700.
Parlament legt die Liste auf Eis
In Dänemark entscheidet nicht eine Behörde über den Pass, sondern das nationale Parlament. Zweimal im Jahr stimmt es über eine Namensliste ab. Die letzte solche Vorlage passierte das Folketing am 11. Juni 2025. Die Oktober-Liste 2025 blieb wegen der EU-Ratspräsidentschaft liegen, der nächste Anlauf vom 22. Jänner 2026 mit 2.055 bereits gelisteten Namen fiel dem vorgezogenen Wahlkampf zum Opfer. Seit März ruht die Bearbeitung, weil unklar ist, nach welchen Regeln künftig entschieden wird.
Besonders die 2.055, deren Namen schon im Saal lagen, sitzen fest. Die Warteschlange dahinter ist länger: Blick und NZZ sprechen von rund 16.000 Personen, die Aufenthalt, Sprachtest und Arbeitsnachweise erfüllt haben sollen. Eine Entscheidung rückt nicht näher, solange die Parteien über neue Prüfschritte streiten.
Einstellung statt bloßem Stempel
Rechte und bürgerliche Kräfte verlangen mehr als Leumund und Integration. Sie wollen, dass Behörden Social-Media-Konten nach „antidemokratischen Haltungen“ und nach Verachtung „grundlegender dänischer Werte“ durchsuchen – etwa Ablehnung von Frauenrechten oder feindselige Äußerungen über Homosexualität. Diskutiert wird auch ein Pass auf Probe: Wer binnen fünf Jahren zu einer unbedingten Haftstrafe verurteilt wird, soll die Staatsbürgerschaft wieder verlieren.
Die Sozialdemokraten von Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sperren sich nicht grundsätzlich. Integrationsminister Morten Bødskov setzte auf eine Expertengruppe, die bis Ende 2026 Vorschläge für eine solche Prüfung vorlegen soll. „Es ist wichtig, dass wir uns sicher sein können, dass diejenigen, die die Staatsbürgerschaft erhalten, sie verdienen“, sagte Bødskov. Einbürgerungssprecherin Katrine Evelyn Jensen riet den Wartenden derweil zur Geduld und nannte Oktober 2027 als frühestmöglichen Termin für eine neue Vorlage.
Der dänische Pass war schon zuvor einer der schwersten, den man in Europa bekommen konnte. Gefordert sind unter anderem mehrjährige Vollzeitarbeit von mindestens 30 Stunden pro Woche, ein harter Sprachtest und seit 2019 bei der Zeremonie der Händedruck mit einem Gemeindevertreter – unabhängig vom Geschlecht. Wer sich aus religiösen Gründen weigert, fällt durch.
In Österreich läuft die Maschine weiter
Genau dieser Konsequenz weicht Wien aus. Statistik Austria zählte für 2025 genau 25.095 Einbürgerungen, um 14,6 Prozent mehr als 2024. 15.512 Betroffene lebten im Inland, 9.583 im Ausland. Den im Inland Eingebürgerten führten Syrer mit 3.189 Personen, vor Türken mit 1.632 und Afghanen mit 1.301. Fast die Hälfte der Inlandseinbürgerungen entfiel auf nur fünf Herkunftsstaaten. Das erste Halbjahr 2026 legt nach: 13.700 neue Staatsbürger, plus 17 Prozent.
FPÖ-Sicherheitssprecher Gernot Darmann nannte die 2025er-Zahlen ein „sicherheitspolitisches Fiasko“ und erklärte, die Staatsbürgerschaft verkomme „zum bloßen Souvenir, das man sich am Ende einer Europareise einfach so mitnehmen kann“. Asyl sei Schutz auf Zeit, kein Dauerrecht auf einen Pass. Anträge der Freiheitlichen auf einen Einbürgerungsstopp für Asylberechtigte scheiterten im Parlament an ÖVP, SPÖ, NEOS und Grünen.
