Die Oberbank hat dem unabhängigen Medium RTV das Vereinskonto gekündigt. Ohne Begründung. Bis Mitte September bleibt die Verbindung noch aktiv, danach muss der Sender eine neue Bankverbindung finden.
Das teilte der Sender selbst mit. Betroffen ist das Konto des Medienvereins, über das Mitgliedsbeiträge, Unterstützungen und der laufende Betrieb abgewickelt werden. Die Mitteilung kam kurz vor der Sommerpause. Eine nachvollziehbare Erklärung lieferte die Linzer Regionalbank nicht.
„Fatales Signal“ – Chefredakteur stellt Fragen
Nicolas Schott, Chefredakteur von RTV, formuliert es klar:
Man muss sich schon fragen, wohin diese Entwicklung führen soll. Wir betreiben ein unabhängiges Medium, wir arbeiten, wir bezahlen unsere Rechnungen – und plötzlich wird unser Vereinskonto gekündigt, ohne dass uns ein nachvollziehbarer Grund dafür genannt wird. Das halte ich für ein fatales Signal.
Schott weist darauf hin, dass Banken und Zahlungsdienstleister heute die Infrastruktur bereitstellen, ohne die Vereine, Unternehmen und Medien kaum noch arbeiten können. Fällt dieser Zugang weg, müssten die Betroffenen zumindest erfahren, warum. Sonst entstehe der Eindruck, dass über wirtschaftliche Mittel Druck ausgeübt werden könne.
RTV macht weiter – Stimme bleibt
Der Sender betont, sich bereits um eine neue Bankverbindung zu kümmern. Sobald diese steht, werde man informieren. Schott lässt keinen Zweifel:
Wer glaubt, dass wir wegen einer Kontokündigung plötzlich verstummen, kennt RTV schlecht. Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir werden eine neue Bankverbindung finden und unsere journalistische Arbeit selbstverständlich fortsetzen (…) Eine Bank kann unser Konto kündigen. Unsere Stimme kündigen kann sie nicht.
Wurde die kritische Berichterstattung unbequem?
RTV, das in Garsten in Oberösterreich ansässige Privatfernsehen, arbeitet seit Jahrzehnten als regionales Medium. In den vergangenen Jahren hat es sich mit kritischer Berichterstattung jenseits des Mainstreams einen Namen gemacht. Die Kündigung reiht sich in eine Serie ähnlicher Vorgänge ein, bei denen alternative und regierungskritische Medien in Österreich ihre Bankverbindungen verloren – oft ohne transparente Begründung.
Die Oberbank mit Sitz in Linz hat sich zu dem konkreten Fall bisher öffentlich nicht geäußert. RTV fordert Antworten und stellt die Frage, wer in Zukunft überhaupt noch die wirtschaftlichen Möglichkeiten bekommt, seine Stimme hörbar zu machen.
