Die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschärft sich zunehmend, Stellenabbau und Arbeitslosigkeit verfestigen sich.
Weniger offene Stellen in den Unternehmen
Im zweiten Quartal 2026 waren in Österreich durchschnittlich 123.400 Arbeitsplätze unbesetzt. Das waren laut Statistik Austria 7,3 Prozent weniger als zu Jahresbeginn und 16,6 Prozent weniger als im zweiten Quartal 2025.
Auch der Anteil freier Stellen an allen verfügbaren Arbeitsplätzen ging zurück: Die offene-Stellen-Quote sank gegenüber dem Vorquartal von 3,1 auf 2,9 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie noch 3,4 Prozent betragen.
Arbeitslosigkeit steigt seit mehr als drei Jahren
Gleichzeitig nimmt die Zahl der Arbeitslosen weiter zu. Ende Juli waren 364.200 Menschen ohne Erwerbsarbeit oder in einer AMS-Schulung. Gegenüber Juli 2025 entspricht das einem Plus von 1,3 Prozent. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich um 0,2 Prozentpunkte auf 6,9 Prozent.
Der AMS-Vorstand sieht die Ursachen vor allem in der gedämpften internationalen Nachfrage, hohen Energie- und Produktionskosten sowie einer schwachen Konsum- und Investitionstätigkeit. Zugleich gebe es erste Hinweise, dass sich die Lage künftig stabilisieren könnte.
Industrie und Handel besonders unter Druck
Rückgänge bei den Arbeitslosenzahlen gab es in der Arbeitskräfteüberlassung, am Bau sowie in Verkehr und Lagerwesen. Deutlich mehr Arbeitsuchende wurden dagegen im Gesundheits- und Sozialwesen registriert. Auch Handel, Warenherstellung sowie Beherbergung und Gastronomie verzeichneten Zuwächse.
In der Industrie ist die Lage besonders angespannt: Weniger freie Stellen treffen auf eine weiterhin schwierige wirtschaftliche Perspektive.
Frauen und ältere Beschäftigte stärker betroffen
Die Zahl arbeitsloser Männer und männlicher Schulungsteilnehmer ging zuletzt zurück. Bei Frauen stieg sie dagegen um 4,8 Prozent.
Regional zeigt sich ein gemischtes Bild: Wien verzeichnete einen leichten Rückgang der Arbeitssuchenden, während etwa Niederösterreich, die Steiermark und Vorarlberg deutliche Zuwächse meldeten. Besonders stark fiel der Anstieg in Vorarlberg aus. Dort nahm die Arbeitslosigkeit bei Menschen über 50 Jahren überdurchschnittlich zu. Auch in Oberösterreich zählt die Gruppe der über 60-Jährigen zu den stärker betroffenen Personen.
Fachkräfte bleiben trotz Arbeitslosigkeit knapp
Trotz steigender Arbeitslosigkeit bestehen in wichtigen Berufen weiter Engpässe. Besonders gefragt sind laut Fachkräftebarometer unter anderem Elektroinstallateure, Kfz-Mechaniker, Maschinenbautechniker, Maurer sowie Ärzte.
Forderung nach Reformimpuls
Wirtschaftsvertreter sehen angesichts der Entwicklung dringenden Handlungsbedarf.
Aus Sicht der Industrie braucht es nun einen kräftigen positiven Reformimpuls: weniger Bürokratie, wettbewerbsfähigere Arbeits- und Energiekosten sowie bessere Rahmenbedingungen für Investitionen. Ohne eine spürbare wirtschaftliche Belebung dürfte sich der Druck auf Beschäftigung und Standorte weiter verschärfen.
