Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) fordert als erster Landeschef eine in der Bevölkerung wohl unbeliebte Maßnahme: Frühester Ruhestand erst mit 65 Jahren und mindestens 45 Arbeitsjahren. Wer die Jahre nicht zusammenbringt, muss länger ran.
Verweis auf Überalterung
Im Ö1-Mittagsjournal machte Mattle den Vorstoß. Damit reiht er sich in eine Debatte ein, die gerade Fahrt aufnimmt. Seniorenbund-Obfrau Ingrid Korosec (ÖVP) hatte kurz zuvor Ähnliches gesagt: Das Antrittsalter dürfe nicht vom biologischen Alter abhängen, sondern von den Berufsjahren – ob 40, 42 oder 45, darüber müsse man sich einigen. „Wenn wir immer älter werden, dann muss sich klarerweise auch etwas verändern“, so Korosec.
Auch Pinke wollen späteren Pensionseintritt
Gleichzeitig prescht Neos-Staatssekretär Josef Schellhorn vor. In den Servus Nachrichten erklärte er: „Ich glaube es ist zumutbar, wenn wir 20 Jahre länger leben, dass wir auch länger arbeiten.“ Parteichefin Beate Meinl-Reisinger sekundierte, es werde kein Weg daran vorbeigehen, irgendwann auch das gesetzliche Antrittsalter anzupassen. Die Koalition hat im Regierungsprogramm einen Nachhaltigkeitsmechanismus verankert, der bei anhaltenden Defiziten längeres Arbeiten ins Spiel bringen könnte.
Kritik von SPÖ und FPÖ
Der SPÖ-nahe Pensionistenverband lehnt den Kurs ab. Präsidentin Birgit Gerstorfer nannte eine Koppelung an die Lebenserwartung „sozial ungerecht“. FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch kritisierte die Debatte als „zutiefst verunsichernd für die arbeitende Bevölkerung“.
