Wer an heißen Tagen beim Baden ertrinkt, fällt für das Gesundheitsministerium unter die Hitzetoten.

1. August 2026 / 12:19 Uhr

Auch Badeunfälle und Herzinfarkte: Panik-Statistik zählt 395 Hitzetote

„Beängstigende Rekord-Opferzahlen“ zur aktuellen Hitzewelle – das will die Kronen Zeitung „enthüllt“ haben. An der Aussagekraft der Zahlen gibt es jedoch erhebliche Zweifel.

Angeblich 395 Hitzetote

Der Juni 2026 war laut Gesundheitsministerium der tödlichste Hitzemonat seit Beginn der Aufzeichnungen. Während der rund zweiwöchigen Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 40,1 Grad seien nach Berechnungen der AGES 395 Menschen infolge der sogenannten „hitzeassoziierten Übersterblichkeit“ gestorben.

Statistik enthält alle Todesfälle über dem Durchschnitt

Das Problem dabei: Die Zahl wird ermittelt, indem die tatsächlichen Todesfälle während der Hitzetage mit den statistisch zu erwartenden Sterbefällen verglichen werden. Erstmals fließen dabei tägliche Wetter- und Sterbedaten sowie mögliche verzögerte Auswirkungen extremer Hitze von bis zu 21 Tagen in die Berechnung ein. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere und sozial isolierte Personen.

Es kann jedoch nicht nachgewiesen werden, ob jeder einzelne zusätzliche Todesfall tatsächlich auf die Hitze zurückzuführen ist. Würde man dieselbe Methode im Winter anwenden, könnten etwa Menschen, die beim Ausrutschen auf Glatteis sterben, ebenfalls als „Kältetote“ gezählt werden.

Schlaganfälle und Herzinfarkte zählen mit

Je nach Definition und statistischer Methode können auch Ereignisse einfließen, bei denen hohe Temperaturen als Mitursache nur angenommen werden. Dazu zählen auch Herzinfarkte und Schlaganfälle, Kreislaufzusammenbrüche, Stürze infolge von Schwindel oder Dehydrierung sowie Todesfälle bei körperlicher Belastung unter extremer Hitze. Auch eine durch hohe Temperaturen ausgelöste Verschlechterung bestehender Herz-, Lungen- oder Nierenerkrankungen kann in solche Berechnungen einbezogen werden.

Frankreich: Badeunfälle als Hitzeopfer

Ein ganz ähnliches Vorgehen zeigt sich in Frankreich: Dort meldete, wie berichtet, die Regierung sieben Hitzetote, die direkt oder indirekt mit den hohen Temperaturen in Verbindung standen – darunter mehrere Ertrinkungsunfälle sowie Zwischenfälle beim Sport.

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