Zwei Tage früher als geplant kam Bianca Witzschel aus dem Gefängnis raus. Ihr Haus und ihre Praxis wurden zwangsversteigert.

27. Juli 2026 / 10:07 Uhr

“Corona-Ärztin” Dr. Bianca Witzschel verlässt Chemnitzer Knast und steht vor dem Nichts

Sie wollte keinen Trubel. Am Freitagvormittag verließ Dr. Bianca Witzschel das Chemnitzer Frauengefängnis, ohne Kameras, ohne Jubel, nur mit dem Wunsch nach ein paar Tagen Ruhe bei ihren Katzen. Die 69-jährige Fachärztin für Allgemeinmedizin sowie Pharmakologie und Toxikologie aus Moritzburg in Sachsen ist nach Verbüßung von zwei Dritteln ihrer Strafe auf freiem Fuß – und steht vor dem Nichts.

Jahre hinter Gittern für Atteste

Das Landgericht Dresden hatte sie zu zwei Jahren und acht Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, weil sie in über tausend Fällen unrichtige Gesundheitszeugnisse ausgestellt haben soll: Maskenbefreiungen, Impfunfähigkeitsbescheinigungen und Atteste gegen PCR-Tests. Die Staatsanwaltschaft sprach von gewerbsmäßigem Handel und forderte ursprünglich deutlich mehr. Dazu kamen ein dreijähriges Berufsverbot und die Einziehung von rund 47.000 Euro. Fast anderthalb Jahre saß sie zuvor in Untersuchungshaft, dann kam sie unter Auflagen raus, bis sie im Februar 2026 die Reststrafe in Chemnitz antreten musste. Ein Antrag auf Halbstrafenaussetzung war abgelehnt worden. Jetzt setzte das Gericht das letzte Drittel zur Bewährung aus – zwei Tage vor dem geplanten Termin.

Existenz vernichtet, neue Gefahr im Anmarsch

Während der Haft und davor wurde ihr Eigenheim mit Praxis in Moritzburg zwangsversteigert. Die Approbation ruht seit Jahren. Was bleibt, ist laut Unterstützern und Berichten aus ihrem Umfeld die pure Existenznot. Die Dresdner Staatsanwaltschaft hat weitere Verfahren anhängig und strebt nach Angaben von Beobachtern eine Gesamtstrafe von mindestens vier Jahren an. Der Kampf ist also nicht vorbei.

Dank an die Unterstützer – und der Blick nach vorn

Kaum draußen, meldete sich Dr. Bianca Witzschel selbst bei ihren Unterstützern.

Danke an alle Unterstützer! Ohne all die wunderbaren Menschen, die mir in meiner Haftzeit beigestanden haben, hätte ich diese schwere Zeit nicht so gut überstanden. Eure Bianca

Schon vor dem erneuten Haftantritt hatte sie betont, immer im Sinne ihrer Patienten gehandelt zu haben – „denn ich habe einen Eid geleistet, an den ich mich halte“. Der Kampf um Rehabilitation und gegen die drohenden weiteren Verfahren geht weiter.

Solidarität gegen den Apparat

Seit 2023 demonstrierten regelmäßig Menschen vor den Gefängnistoren, organisiert unter anderem von den Freien Sachsen. AfD-Bundestagsabgeordnete wie Dr. Christina Baum setzten sich öffentlich für sie ein und nannten die Behandlung einen Skandal. Eine Online-Erklärung für ihre Freilassung unterschrieben Zehntausende. Während Verantwortliche der Corona-Politik weitgehend ungeschoren blieben, landete die Ärztin, die nach eigener und Unterstützer-Darstellung Patienten vor Maßnahmen schützen wollte, hinter Gittern. Jetzt ist sie draußen – und muss von vorn beginnen.

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