Der Wiener Wirtschaftskammer-Präsident Walter Ruck gehört nicht mehr der ÖVP an. Sein Ausschluss aus der Partei soll einstimmig erfolgt sein. Doch nun könnte das Hauen und Stechen erst beginnen. Vor allem weil der Kurier das Gerücht in die Welt setzte, Ruck könnte von den Roten verraten worden sein.Â
Unruhe vorprogrammiert
Der wegen Sexismus, Packelei und Postenschacher in Verruf geratene Ex-ÖVP-Mann, der keine der gegen ihn gerichteten Vorwürfe bisher bestätigte, ist nicht gewillt, nach dem Rauswurf aus seiner Partei irgendwelche Konsequenzen zu ziehen. Im Gegenteil: Er bleibt Präsident der Wiener Wirtschaftskammer und er ist weiterhin Chef des Wiener Wirtschaftsbundes.
Und weil Ruck an seinen Ämtern weiter hängt wie Andreas Babler an seiner Erbschaftssteuer, ist das Thema für die ÖVP noch lange nicht erledigt. Der Geschasste wird zum Problem für die Präsidenten der österreichischen Wirtschaftskammer, Martha Schulz. Sie ist auch Präsidenten des ÖVP-nahen Wirtschaftsbundes. Unruhe ist vorprogrammiert.
Causa belastet auch SPÖ und Neos
Aber die Causa trifft auch die anderen Regierungsparteien, SPÖ und Neos. Die SPÖ, weil Wiens Bürgermeister Michael Ludwig eine Art Nibelungentreue an den Tag legte, als Ruck medial wie eine Sau durchs Dorf getrieben wurde. Gerade was die mutmaßlich frauenfeindlichen Aussagen von Ruck betreffen, ist die demonstrative Verteidigung der Roten für einen Schwarzen wenig nachvollziehbar und widersprechen allen Aussagen von SPÖ-Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner, die dadurch ein Glaubwürdigkeitsproblem hat.
Freunderln aus dem Weinkeller müssen bangen
Und die Neos? Sie müssen beziehungsweise wollen mit Michael Ludwig in Wien regieren, „obwohl Walter Ruck all das verkörpert, was sie an der Kammer auszusetzen haben“, schrieb Martin Gebhart in seinem Kurier-Leitartikel. In der Kronen Zeitung fragt sich deren Chefredakteur Klaus Herrmann, wen ein abstürzender Machtmensch wie Walter Ruck, wenn er alles zu verlieren droht, mit in den Abgrund nimmt. Da müssten jetzt manche bangen – vor allem seine Freunderln aus dem Biergarten und dem Weinkeller, wo man gemauschelt und sich das Maul über alles Mögliche und Unmögliche zerrissen habe.
Von Roten verraten
Kurier-Journalistin Agnes Preusser will über eine Erzählung erfahren haben, demzufolge ausgerechnet Rote für die geleakten Protokolle, die Ruck in Bedrängis brachten, verantwortlich sein sollen. Die Laeks dürften einen tieferen Zweck verfolgen, würden selbst Ruck-Kritiker sagen. Preusser zitiert: „Das so zu orchestrieren, das beherrscht kein einfacher Funktionär von der nächsten Straßenecke“.
