Die Preise sind zurück. Im August lag die Inflation im Euroraum bei 3,2 Prozent, Energie verteuerte sich um 14,3 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am 10. September die Zinsen auf 2,50 Prozent angehoben. Ökonom Gunther Schnabl sieht dahinter mehr als nur den Iran-Krieg.
„Die Modelle haben sich als falsch erwiesen“
Gegenüber dem exxpress sagt der Leipziger Professor auf die Frage, ob das Problem nur hausgemacht oder doch der Krieg sei: „Beides!“ Die Energiepreise seien ein Treiber. Zugleich habe die EZB ihre Bilanz aufgebläht, 2021 zu spät reagiert und die Zinsen ab Mitte 2024 zu schnell wieder gesenkt. „Die Modelle der EZB haben sich im Zuge der ab 2021 stark steigenden Inflation als falsch erwiesen.“ Noch im Dezember 2025 rechnete Frankfurt für 2027 mit 1,8 Prozent Inflation, jetzt mit 2,5 Prozent – und im vierten Quartal 2026 sogar mit 3,6 Prozent.
Frankreich wird zum Risiko
Noch gefährlicher sind für Schnabl die Staatsschulden. Die Rendite zehnjähriger französischer Anleihen lag am 23. September bei rund 4,64 Prozent, so hoch wie seit 2008 nicht. „Mit Blick auf das hochverschuldete und fiskalisch manövrierunfähige Frankreich zeichnen sich hier neue Inflationsrisiken ab.“ Höhere Zinsen dämpfen die Preise, verteuern aber zugleich die Schulden von Frankreich, Italien und Spanien. Derselbe EZB-Zins gilt für völlig unterschiedliche Länder.
Im Stressfall 5,4 Prozent
Dazu käme die Energiepolitik. Schnabl: „Die Energiepolitik hat vor allem in Deutschland die Produktionskosten nach oben getrieben.“ Im schweren Krisenszenario der EZB drohen 2027 sogar 5,4 Prozent Inflation bei nur 0,4 Prozent Wachstum. Der Iran-Krieg hat den Schub ausgelöst. Getroffen hat er hohe Schulden, teure Energie und eine Währungsunion, deren Mitglieder auseinanderlaufen.
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