Nachdem US-Soldaten im Jänner Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro gefangen genommen und außer Landes gebracht hatten, folgt nun der Zugriff auf den größten Reichtum des Landes: sein Erdöl.
Trump greift nach Venezuelas größtem Schatz
Nur wenige Monate nach dem gewaltsamen, von außen vollzogenen Machtwechsel sichert sich Washington die Mehrheitskontrolle über ein Fünftel der gesamten bekannten venezolanischen Vorkommen.
Was zuvor mit dem Kampf gegen Drogenhandel und autoritäre Herrschaft begründet wurde, mündet damit in ein Jahrhundertgeschäft zugunsten der USA und amerikanischer Energiekonzerne. US-Präsident Donald Trump verkündete die Vereinbarung gewohnt großspurig als den „größten Öl-Deal in der Weltgeschichte“.
Größte nachgewiesene Erdölreserven der Erde
Das Abkommen betrifft 17 strategisch wichtige Ölfelder mit nachgewiesenen Reserven von mehr als 65 Milliarden Barrel. Insgesamt verfügt das südamerikanische Land über geschätzte 303 Milliarden Barrel und damit über die größten nachgewiesenen Erdölreserven der Erde.
Zum Vergleich: Die US-Energiebehörde bezifferte die amerikanischen Reserven Ende 2024 auf rund 46 Milliarden Barrel – einschließlich bestimmter Kondensate.
Effektiv 55 Prozent für die amerikanische Seite
Nach Berichten von Reuters und Associated Press soll eine neue Gesellschaft die betreffenden Ölfelder erschließen und betreiben. Die amerikanische Seite hält demnach einen effektiven Anteil von 55 Prozent an der geförderten Menge. Damit bliebe die venezolanische Seite zwar formal beteiligt, die Mehrheit der Produktion stünde jedoch unter amerikanischem Einfluss.
Venezuelas Interimspräsidentin Delcy RodrÃguez versichert, das Land behalte das Eigentum an seinen Bodenschätzen und gebe seine staatliche Souveränität nicht auf. Trump verwendet hingegen ausdrücklich den Begriff der amerikanischen „Mehrheitskontrolle“.
Milliardenversprechen für Caracas
RodrÃguez verkauft die Übereinkunft als Grundlage für einen wirtschaftlichen Neubeginn. Mehr als 100 Milliarden Dollar sollen in Förderanlagen, Pipelines, Raffinerien und andere Infrastruktur investiert werden. Der venezolanische Staat erwartet nach ihren Angaben Einnahmen von insgesamt rund 209 Milliarden Dollar.
Reuters zufolge sollen ungefähr 19 Dollar je gefördertem Barrel unmittelbar an den venezolanischen Staat fließen. Weitere Verträge mit internationalen Ölgesellschaften, darunter amerikanischen Konzernen, könnten in Kürze folgen. Besonders Chevron gilt als wahrscheinlicher Gewinner. Der US-Konzern ist bereits in Venezuela tätig und verfügt über Erfahrungen mit den dortigen Lagerstätten.
Sozialismus wieder gescheitert
Nach Jahren sozialistischer Regierungen liegt Venezuela am Boden. Ein Armenhaus. Das Land ist arm, obwohl es auf den größten Erdölreserven der Welt sitzt. Caracas benötigt dringend Geld und Technologie. RodrÃguez bezeichnete das Abkommen daher als wichtigen Schritt zur Erholung des Landes. Es soll Arbeitsplätze schaffen, die Staatseinnahmen erhöhen und die heruntergewirtschaftete Erdölindustrie wieder aufbauen.
Denn viele Förderstätten, Leitungen und Raffinerien befinden sich in katastrophalem Zustand. Fehlende Wartung, Misswirtschaft, Korruption, Günstlingswirtschaft und fehlende Investitionen haben der Industrie schwer zugesetzt. Deshalb hatten sich amerikanische Ölkonzerne zu Jahresbeginn bei einem Treffen mit der US-Regierung noch zurückhaltend gezeigt.
China soll aus Venezuela verdrängt werden
Mit dem Sturz der Maduro-Regierung und der Kontrolle Venezuelas sichern sich die Vereinigten Staaten nicht nur einen willfährigen Öllieferanten, sondern entledigen sich gleichzeitig ihres Kontrahenten.
Denn China unterstützte das sozialistische Bruderland und gewährte Caracas Kredite – gegen venezolanisches Öl. Zeitweise importierte China mehrere Hunderttausend Barrel täglich aus dem südamerikanischen Land. China hat nun einen strategischen Zugang zu Energie verloren.
Washington sichert sich den langen Atem
Gerade die außergewöhnlich langen Konzessionen zeigen, worum es bei der Vereinbarung geht. Der größte Ölreichtum der Welt liegt zwar weiterhin unter venezolanischem Boden, doch über einen beträchtlichen Teil davon wird künftig in Washington und in den Vorstandsetagen amerikanischer Energiekonzerne mitentschieden.
