Wenn Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) einmal ohne PR-Berater einer Bürgerin direkt antworten muss, dann passiert das: Ein verheerender Satz zur Kinderbetreuung, die laut Stocker „keine Arbeit“ ist. Trotz Entschuldigungs-Versuche des Kanzlers wird er dieses Zitat nicht mehr los.
Wie der Burger-Sager von Nehammer
Stockers umstrittener Satz schlägt weiter hohe Wellen, und er wird wohl ein Zitat für die Ewigkeit, das sich in negative Beispiele nahtlos einreiht. Wir erinnern uns: „Wisst’s, was die billigste warme Mahlzeit in Österreich ist? Ist nicht gesund, aber billig: Ein Burger bei McDonalds“, sagte 2023 der Vorgänger Stockers, Karl Nehammer. Der Alt-Kanzler der ÖVP verlor zwar an Image, seiner Karriere schadete das nicht. Denn nach dem Abgang als Bundeskanzler versorgten ihn die schwarzen Parteifreunde mit einem Bankdirektoren-Posten in Luxemburg, womit er nicht in die Lage versetzt wurde, sich mit “billigen McDonalds-Burgern” zu ernähren.
“Habt’s scho Mittag gegessen?”
Wie Heinz-Christian Strache sein Ibiza-Bild nicht mehr wegbekommt, egal was er tut, bleibt auch bei Ex-ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz ein Video hängen, in dem er 2016 in einem Pensionistenheim ziemlich fremd wirkte und sich zu dieser unpassenden Frage hinreißen ließ: „Und? Habt’s scho Mittag gegessen? Ja?Ja?“ Und das „So sind wir nicht“ von Bundespräsident Alexander Van der Bellen im Jahr 2021 wird dem Staatsoberhaupt bei jeder Gelegenheit um die Ohren geschmissen, wenn die Bevölkerung feststellt, dass die Politik im Land tatsächlich so ist, wie sie ist.Â
Abwehrversuche gehen ins Leere
Stocker hat also seit Donnerstag, als er in Salzburg auf eine Frage einer Mutter antworten musste, nicht nur ein Problem, sondern auch eine Etikette umhängen, auf der zu lesen ist, dass er Kindererziehung von Frauen nicht schätzt. Jene, die ihm jetzt zu Hilfe kommen, wie etwa die Landeshauptfrau in Niederösterreich, Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), machen es mit ihren Entschuldigungsversuchen nur noch schlimmer. Mikl-Leitner meinte:
Ich kenne unseren Kanzler so, dass er meint, dass unsere Kinder für uns Eltern bei aller Arbeit aber vor allem noch viel mehr Freude bedeuten.
Gut gemeint, Frau Landeshauptfrau! Aber dieses Statement hätten Sie sich ersparen können. Die Abwehrversuche der Parteifreunde gehen ins Leere, weil auf der anderen Seite längst schon eine Kampagne losgetreten wurde.
Mütter-Aufstand in ganz Österreich
So hat beispielsweise die Kronen Zeitung Mütter zu Wort kommen lassen, die sich von der Kanzler-Aussage vor den Kopf gestoßen fühlen. Hier drei Stellungnahmen:
Ich empfinde diese Aussage als eine Frechheit. Zu behaupten, dass Kinderbetreuung zu Hause keine Arbeit sei, wird der täglichen Leistung vieler Eltern überhaupt nicht gerecht.
Kinderbetreuung ist viel härter als jeder andere Job, den ich bisher gemacht habe. Jeder, der behauptet, dass es einfach sei, dem gebe ich gerne mal mein zweijähriges Kind für ein Wochenende.
Herr Stockers Aussage ist an Realitätsferne kaum zu überbieten! Familie bedeutet Verantwortung und täglich unbezahlte Arbeit. In welcher Zeit leben Sie, Herr Bundeskanzler?
