Auch ein Experte aus der Corona-Pandemie ist nun zur Einsicht gekommen: Die Impfpflicht gegen das Virus war ein Fehler. Umweltmediziner Hans-Peter Hutter sagt rückblickend, die Maßnahme sei ein „Irrweg“ gewesen. Und er räumt ein: Er hätte sich stärker dagegen wehren sollen.
„Ein Schnellschuss“
Damals waren die Corona-Fallzahlen hoch, die Durchimpfungsrate vergleichsweise niedrig. Dass die Politik über eine Impfpflicht nachdachte, sei verständlich gewesen, sagt der führende Berater der Bundesregierung während der Pandemie im Interview mit dem Kurier. Die Entscheidung selbst sieht er jedoch kritisch: Die Maßnahme sei ein „Schnellschuss“ gewesen, der nach hinten losgegangen sei und viel Schaden angerichtet habe. Hutter betont, er habe die Maßnahme von Anfang an kritisch gesehen.
Vertrauen in die Wissenschaft beschädigt
Sorgen bereitet dem Mediziner auch der Vertrauensverlust. Die Glaubwürdigkeit wissenschaftlicher Institutionen in Mitteleuropa habe gelitten. Das könne sich laut Hutter auch auf andere Bereiche auswirken, etwa auf die vermeintliche Klimakrise.
Ein Grund dafür sei, dass zu wenig erklärt worden sei, wie wissenschaftliche Erkenntnisse entstehen und warum es dabei unterschiedliche Meinungen geben kann. Für künftige weitreichende Maßnahmen fordert Hutter deshalb eine bessere und nachvollziehbare Kommunikation.
Besser vorbereitet, weniger Vertrauen
Bei der Bewältigung einer neuen Pandemie sieht Hutter Österreich fachlich besser aufgestellt als noch 2020. Fortschritte gebe es etwa bei der Impfstoffentwicklung, der Nachverfolgung von Infektionen und der Früherkennung über Abwasser.
Doch die bessere Vorbereitung könnte an mangelndem Vertrauen scheitern: Hutter hält es für denkbar, dass sich manche Menschen bei einer neuen Pandemie staatlichen Maßnahmen verweigern. Eine weitere Lehre aus der Corona-Zeit sieht er im Umgang mit Kranken. Wer in der U-Bahn eine Maske trage, werde häufig noch immer schräg angeschaut, während das in anderen Ländern längst selbstverständlich sei.
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