Meinungsforscher Christoph Haselmayer sieht die SPÖ unter Andreas Babler in einem bedauernswerten Zustand. In den Umfragen liegt die Partei zwischen 15 und 16 Prozent – mit Tendenz nach unten. Ein Fall unter zehn Prozent drohe nicht, wohl aber das Duell mit Grünen-Chefin Leonore Gewessler um Platz drei, erklärte Haselmayer gegenüber oe24.at.
Linkskurs und KPÖ-Aufstieg
Babler sei der am linkesten positionierte SPÖ-Vorsitzende der Zweiten Republik. Wahlen würden jedoch in der Mitte gewonnen – „Babler ist nicht der Totengräber der Sozialdemokraten, er ist der Geburtshelfer der Kommunisten“, die als KPÖ erstmals seit 1959 wieder ins Parlament einziehen würden (derzeit 4,3 Prozent).
Ankündigungen ohne Wirkung
Konkrete Fehler sieht Haselmayer in Bablers Stil: Er sei Ankündigungsmeister und Umsetzungszwerg. Mietpreisbremse oder Steuersenkung auf Lebensmittel kämen bei den Menschen kaum an und brächten zugleich neue Belastungen wie die Paketsteuer. Der Kurs reiße die SPÖ-Landesgruppen in den Abgrund – bald sichtbar bei den Landtagswahlen in Tirol, Oberösterreich, Niederösterreich und Kärnten. Selbst SPÖ-Landeshauptmann Daniel Fellner leide unverschuldet darunter.
Sektenführer statt Parteichef
Babler habe sich in den Gremien einzementiert und jeden Ablöseversuch erstickt. Er umgebe sich nur noch mit politischen Ja-Sagern: „Er hat mehr etwas von einem Sektenführer als von einem Parteichef.“ Er meide Veranstaltungen, auf denen Kritik drohe, und vertrete vor allem eine laute linke Minderheit, die besser bei der KPÖ aufgehoben wäre.
Ein Vorstand, der vor diesem Hintergrund nicht entschlossen handle, müsste sich in jedem Unternehmen den Vorwurf der Untreue gefallen lassen. Wer jetzt nicht Klartext spreche, mache sich an der Misere der Sozialdemokratie mitschuldig. Die SPÖ befinde sich auf den Spuren der deutschen SPD, die mittlerweile bei zwölf Prozent liege.
