Gerade ältere Menschen sind auf verlässliche Unterstützung im Alltag angewiesen.

15. August 2026 / 09:19 Uhr

Nachbarschaftshilfe lebt: Studie zeigt soziales Engagement – aber vor allem am Land

Ob beim Einkauf, bei kleinen Reparaturen oder bei der Betreuung von Haustieren: Auf dem Land gehört gegenseitige Unterstützung vielerorts noch selbstverständlich zum Alltag.

Am Land hilft fast jeder Zweite

39 Prozent der Österreicher helfen ihren Nachbarn zumindest gelegentlich. Besonders ausgeprägt ist dieses Engagement in Niederösterreich und im Burgenland: Dort sind 48 Prozent der Befragten in mindestens einem Bereich der Nachbarschaftshilfe aktiv.

In Gemeinden mit höchstens 5.000 Einwohnern liegt der Anteil bei 45 Prozent. Im städtischen Raum sind es dagegen lediglich 38 Prozent.

Wien fällt ab

Besonders deutlich fällt Wien ab: In der Bundeshauptstadt helfen nur 29 Prozent tatsächlich in ihrer Nachbarschaft. Damit engagiert sich in Niederösterreich und im Burgenland beinahe jeder Zweite – in Wien hingegen nicht einmal jeder Dritte.

Das geht aus einer von Integral im Jänner 2026 für ImmoScout24 durchgeführten Onlinebefragung unter 1.000 Menschen im Alter von 18 bis 69 Jahren hervor.

Nachbarschaftshilfe mit Potenzial

Nachbarschaftshilfe ist damit ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens.

Erfreulich: Das tatsächliche Engagement könnte am Land sogar noch größer sein. Sieben von zehn Befragten können sich vorstellen, älteren oder alleinlebenden Menschen zu helfen. 59 Prozent wären grundsätzlich bereit, neu zugezogene Nachbarn zu unterstützen. Mehr als die Hälfte könnte sich auch Haustierbetreuung, kleinere Reparaturen oder die Pflege gemeinschaftlich genutzter Flächen vorstellen.

Senioren leisten unverzichtbaren Beitrag

Besonders ausgeprägt ist das tatsächliche Engagement bei den 50- bis 69-Jährigen. Seniorenbundpräsidentin Ingrid Korosec (ÖVP) sieht darin eine Bestätigung für die gesellschaftliche Bedeutung der älteren Generation. Ältere Menschen seien eine wichtige Stütze für Familien, Vereine, Gemeinden und ihre unmittelbare Nachbarschaft.

Dabei gehe es nicht ausschließlich um praktische Hilfe. Nachbarschaftshilfe schaffe Begegnungen, stärke das Miteinander und könne der zunehmenden Alterseinsamkeit entgegenwirken. Gerade Senioren verfügten über Lebenserfahrung, Wissen und praktische Fähigkeiten, von denen die gesamte Gesellschaft profitiere.

Rote Landesregierung drehte Geldhahn zu

Vor diesem Hintergrund erscheint die politische Entscheidung der burgenländischen SPÖ-Landesregierung im Jahr 2025 fatal. Obwohl im Burgenland überdurchschnittlich viele Menschen ihren Nachbarn helfen, beendete das Land mit Ende 2025 die Kofinanzierung des Sozialprojekts „Nachbarschaftshilfe Plus“.

Das Projekt hatte über Jahre ehrenamtliche Helfer mit älteren und unterstützungsbedürftigen Menschen zusammengebracht. Betroffen waren 19 Partnergemeinden und rund 600 Ehrenamtliche. Die Entscheidung sorgte bereits im vergangenen Sommer für erhebliche Kritik und Verunsicherung.

Linkes Lieblingsprojekt: Zentralisierung

Statt das bestehende Modell weiter zu unterstützen, hatte die Landesregierung ein eigenes, landesweit organisiertes System über Pflegeregionen und Pflegestützpunkte angekündigt und die Umorganisation inzwischen umgesetzt.

Doch ehrenamtliches Engagement und Nachbarschaftshilfe lebt von Vertrauen, persönlichen Beziehungen, festen Ansprechpartnern und langfristiger Verlässlichkeit. Solche Strukturen lassen sich nicht auf politischen Zuruf und die organisatorische Gliederung des Burgenlandes in 28 Pflegeregionen ersetzen.

Bedenkliches Stadt-Land-Gefälle

Dass der Zusammenhalt am Land deutlich größer ist, als in Städten wie Wien, ist ein Nachweis der Entsolidarisierung, die auch mit der Einwanderung zu tun hat. Denn nur wo Nachbarn eine gemeinsame Sprache sprechen, ähnliche Alltagsgewohnheiten leben und eine gleiche kulturelle Prägung haben, kann gegenseitiges Vertrauen und Nachbarschaftshilfe entstehen.

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