Im aktuellen APA-Wahltrend kommen ÖVP, SPÖ und Neos zusammen nur noch auf 43,5 Prozent. Gleichzeitig gewinnt die FPÖ weiter an Boden und bewegt sich inzwischen in Richtung 40 Prozent. Der Vergleich mit dem Ergebnis der Nationalratswahl 2024 zeigt, wie stark sich die Kräfteverhältnisse seither verändert haben.
ÖVP deutlich unter dem Wahlergebnis
Besonders deutlich ist der Rückgang bei der ÖVP. Bei der Nationalratswahl 2024 erreichte die Partei noch 26,3 Prozent. Im aktuellen APA-Wahltrend kommt sie dagegen nur noch auf etwa 20 Prozent. Damit liegt die Volkspartei deutlich unter ihrem damaligen Wahlergebnis.
SPÖ verliert Wechselwähler
Noch angespannter ist die Situation für die SPÖ. Die Sozialdemokraten liegen derzeit nur noch bei rund 16 Prozent und weisen weiterhin eine rückläufige Tendenz auf.
Politikwissenschaftler Peter Filzmaier führt die Probleme auch auf die schwachen persönlichen Werte von SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler zurück. Babler könne zwar den traditionellen Kern der Partei ansprechen, habe aber größere Schwierigkeiten damit, Wähler außerhalb dieses festen Milieus zu erreichen. Gerade bei Wechselwählern verliere die SPÖ offenbar an Unterstützung.
Hinzu kommt Bablers Regierungsfunktion. Als Vizekanzler muss er politische Entscheidungen und Kompromisse der Koalition vertreten – auch dann, wenn diese nicht mit den klassischen Positionen der SPÖ übereinstimmen. Ein bloßer Austausch des Parteichefs wäre deshalb laut Filzmaier keine einfache Lösung. Jeder Nachfolger müsste innerhalb der Koalition ebenfalls Kompromisse eingehen und könnte sich damit denselben Problemen gegenübersehen.
FPÖ auf dem Weg Richtung 40 Prozent
Während die Regierungsparteien an Zustimmung verlieren, setzt die FPÖ ihren Aufwärtstrend fort. Die Partei von Herbert Kickl nähert sich in den aktuellen Umfragen der Marke von 40 Prozent.
Sollte sich die Entwicklung fortsetzen, hält Filzmaier sogar eine absolute Mehrheit der Mandate für denkbar. Der FPÖ kommt dabei die allgemeine politische Stimmung zugute. Konflikte, Skandale und negative Schlagzeilen rund um die Regierungsparteien verstärken den Eindruck einer schwachen Bundesregierung und können der Opposition zusätzliche Stimmen verschaffen.
Neos zahlen Preis für Regierungsbeteiligung
Auch die Neos müssen offenbar einen politischen Preis für ihre Regierungsrolle bezahlen. Die Partei liegt mittlerweile unter ihrem Ergebnis bei der Nationalratswahl 2024 und hat zudem mit Problemen auf Landesebene zu kämpfen.
In Salzburg, Kärnten und dem Burgenland sind die Neos derzeit nicht im Landtag vertreten. In Oberösterreich und Tirol könnte der Einzug bei kommenden Wahlen ebenfalls schwierig werden. Filzmaier sieht deshalb die Gefahr, dass sich die Partei zunehmend auf Wien und das unmittelbare Umland konzentriert und dadurch langfristig ihre Verankerung in anderen Teilen Österreichs verliert.
Grüne profitieren von der Opposition
Eine deutlich bessere Entwicklung nehmen die Grünen. Seit der Nationalratswahl konnten sie ihren Umfragewert von rund acht Prozent auf mehr als zwölf Prozent steigern.
Der Oppositionsstatus verschafft der Partei dabei einen entscheidenden Vorteil. Die Grünen müssen weder unpopuläre Sparmaßnahmen der Bundesregierung rechtfertigen noch Verantwortung für Kompromisse übernehmen, die während einer Regierungsbeteiligung zustande kommen. Auch unerfüllte politische Versprechen müssen sie derzeit nicht als Teil der Bundesregierung verteidigen.
