1.834 Mal zugeschlagen. So viele Übergriffe auf ÖBB-Mitarbeiter registrierte das Infrastrukturministerium von 2020 bis 2025. 459 endeten mit Verletzungen. Bei den Sicherheitskräften blieb beinahe jeder zweite Angriff nicht ohne Folgen.
FPÖ will der Sache nachgehen
Die Zahlen stammen aus der Anfragebeantwortung 5582/AB von Infrastrukturminister Peter Hanke (SPÖ). Viele Informationen sind jedoch bisher noch unbekannt: Wer die Täter waren, wie viele Anzeigen folgten, wer verurteilt wurde und ob jemand das Land verlassen musste. FPÖ-Generalsekretär und Verkehrssprecher Christian Hafenecker bringt deshalb zwei neue parlamentarische Anfragen ein – eine an Innenminister Gerhard Karner, eine erneut an Hanke.
Hafenecker will endlich die Täter-Zahlen
Beim Innenministerium fragt der freiheitliche Generalsekretärnach nach der Anzahl von Körperverletzungen, gefährlichen Drohungen und Nötigungen mit Tatort Bahnhof, Bahnanlage oder öffentliches Verkehrsmittel ab – aufgeschlüsselt nach Jahren, Staatsangehörigkeit und Aufenthaltsstatus. Er beschreibt seinen Beweggrund folgendermaßen:
Der Minister legt erstmals Zahlen vor, die das Ausmaß belegen. Über die Täter verliert er kein einziges Wort. Wir wissen nicht, wie viele Anzeigen es gab. Wir wissen nicht, wer angeklagt und wer verurteilt wurde. Und wir wissen erst recht nicht, ob am Ende irgendjemand das Land verlassen musste.
In der zweiten Anfrage hakt Hafenecker bei Hanke nach: zur eigenen Eisenbahnpolizei, zum Stichschutz und zu den Gefahrenzulagen:
Die Frage nach einer eigenen Eisenbahnpolizei hat der Minister überhaupt nicht beantwortet – abgeduckt und dann ignoriert. Beim Stichschutz nennt er weder Zeitplan noch Stückzahl noch Budget. Und bei den Gefahrenzulagen erklärt sich ausgerechnet der Eigentümervertreter der ÖBB für unzuständig. Das nehmen wir nicht hin.
Landbauer: Blindflug auf Kosten der Pendler
Auch in Niederösterreich schlägt die FPÖ Alarm. Landesparteiobmann und LH-Stellvertreter Udo Landbauer betont die besondere Abhängigkeit des Bundeslandes von der Bahn:
Kein Bundesland hängt so stark an der Bahn wie Niederösterreich. Hunderttausende fahren täglich zur Arbeit, zur Schule, zur Universität – über die Südbahn, die Westbahn, die Nordbahn, die Franz-Josefs-Bahn. Und jetzt erfahren wir, dass in sechs Jahren 1.834 Mal zugeschlagen wurde. Ich will wissen, wie viel davon auf unsere Strecken und unsere Bahnhöfe entfällt.
Eine Aufschlüsselung nach Bundesländern und Bahnhöfen fehlt bis heute. „Wenn der Bund nicht einmal weiß, wo die Übergriffe stattfinden, kann er auch nicht sagen, wo Polizei gebraucht wird. Das ist keine Sicherheitspolitik, das ist Blindflug auf Kosten der Pendler.“ Landbauer fordert eine jährliche, regional gegliederte Gewaltstatistik. Gleichzeitig kritisiert er den Umgang mit dem Personal:
Wer um sechs Uhr früh allein durch einen Zug geht und Fahrscheine kontrolliert, hat sich Schutz und keine Testphase verdient. Der Minister lässt seit Monaten Stichschutzwesten testen und nennt bis heute kein Datum, an dem sie flächendeckend da sind. Diese Leute halten den Kopf hin, während in Wien evaluiert wird.
