Der Ausbau erneuerbarer Energie gehört zu den zentralen Vorhaben der Bundesregierung. Doch beim jüngsten Photovoltaik-Fördercall entschied ein Zeitfenster von nur 33 Sekunden über Tausende Investitionen.
25.000 Antragsteller gingen leer aus
Von knapp 28.000 eingereichten Anträgen konnten lediglich rund 3.000 berücksichtigt werden. Etwa 25.000 Haushalte und Betriebe erhielten keine Förderzusage.
Nicht die Qualität, Wirtschaftlichkeit oder Netzdienlichkeit eines Projekts entschied über die Unterstützung. Maßgeblich war, ob ein Antrag innerhalb weniger Sekunden erfolgreich übermittelt werden konnte.
Vorbereitungen für die Katz
Tausende Haushalte hatten zuvor Beratungen in Anspruch genommen, Angebote eingeholt und gemeinsam mit Elektrotechnikunternehmen ihre Projekte vorbereitet – und scheiterten dann an einem digitalen Wettrennen.
Eine Förderung, deren Budget nach 33 Sekunden erschöpft sei, könne nicht als verlässliches energiepolitisches Instrument gelten, so die beiden FPÖ-Energiesprecher Axel Kassegger und Paul Hammerl. Sie sei vielmehr eine „staatlich organisierte Lotterie“.
Reformbedarf jahrelang bekannt
Der Evaluierungsbericht zum Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz trägt den Stand vom 17. Dezember 2024 und langte am 22. Jänner 2025 im Nationalrat ein. Darin seien hohe Förderineffizienzen kritisiert worden, aber auch fehlende Speicheranreize, mangelnder Wettbewerb und Probleme durch nicht regelbare Einspeisungen von kleinen PV-Anlagen. Durch zusätzliche Wettbewerbselemente sollten die spezifischen Förderkosten bei PV-Anlagen teilweise um bis zu 37 Prozent sinken.
Doch geschehen ist nichts.
Freiheitlicher Antrag zweimal vertagt
Die FPÖ hatte daher im April 2025 einen Entschließungsantrag eingebracht, der die rasche Umsetzung der Empfehlungen des Evaluierungsberichts forderte. Der Antrag wurde jedoch zunächst im Juni 2025 und ein weiteres Mal im April 2026 von ÖVP, SPÖ und Neos vertagt.
Leidtragende sind jetzt die 25.000 Haushalte und Betriebe, die keine Förderung erhielten.
Elektrotechniker bestätigen Kritik
Unterstützung erhält die freiheitliche Kritik von der Bundesinnung der Elektrotechniker. Auch Bundesinnungsmeister Christian Bräuer sieht „keine Förderung, sondern eine Lotterie“.
Die Elektrotechnikbetriebe investierten erhebliche Zeit in Beratung, Planung und Vorbereitung. Wenn der Fördertopf leer sei, bevor viele Betriebe das System überhaupt erreicht hätten, entstünden Frust, Unsicherheit und Projektabsagen.
Vollständiger Systemwechsel gefordert
Bräuer kritisierte zudem, die Branche habe ihre Bedenken bereits 2025 vorgebracht, sei von den politisch Verantwortlichen jedoch nicht gehört worden. Die Elektrotechnikinnung verlangt deshalb einen vollständigen Systemwechsel anstelle weiterer kurzfristiger Fördercalls.
Ein neues Modell müsse Photovoltaikanlagen und Energiespeicher gemeinsam betrachten und deren Netz- und Systemdienlichkeit berücksichtigen. Darüber hinaus fordert die Branche Fördermöglichkeiten für Gebäudeautomatisierung, Smart-Home-Technologien, Digitalisierung, elektrische Heizsysteme in Verbindung mit erneuerbarer Energie sowie energieeffiziente Beleuchtung.
Einheitliche Qualitätsstandards notwendig
Förderungen sollten außerdem an bundesweit einheitliche Qualitätsstandards und Prüfberichte gebunden werden. Damit sollen Sicherheit, Produktqualität und langfristige Investitionssicherheit gewährleistet werden.
Steuerliche Anreize hätten den Vorteil, dass Investitionen dann vorgenommen werden könnten, wenn sie tatsächlich erforderlich seien. Ein Gesamtkonzept müsse neben Photovoltaik und Speichern auch Gebäudeautomatisierung, intelligente Haustechnik und weitere energieeffiziente Systeme umfassen.
Projektabsagen nach abgelehnten Förderanträgen
Auch der Bundesverband Photovoltaic Austria fordert einen Neustart. Statt bloßer Ankündigungen für spätere Reformen brauche es eine unkomplizierte und kurzfristig umsetzbare Lösung.
