Die ÖVP unter der psychologisch problematischen 20-Prozent-Grenze, die SPÖ mit nur noch 16 Prozentpunkten (siehe aktuelle Umfrage) endgültig am historischen Tiefpunkt angelangt. Dieses Umfrage-Desaster beider Parteien bringen die Altkanzler Christian Kern und Sebastian Kurz ins Spiel – und die Medien heizen die Diskussion um eine Rückkehr an.Â
Roter Kern spricht in blauer Sprache
Bemerkenswert ist jedenfalls ein Interview von Ex-SPÖ-Kanzler Christian Kern in der Tageszeitung Oe24. Abgesehen vom üblichen und schon langweiligen Bashing gegen die FPÖ, in dem der einst gescheiterte Rote eine Regierung der Freiheitlichen indirekt als „Zeit der Monster“ benennt, machte er Aussagen, die auch aus dem Munde eines FPÖ-Mandatars kommen könnten.
Also sprach Kern, der eine Rückkehr in die Politik nicht ausschloss: „Wir können nicht permanent Steuern und Abgaben erhöhen, da sind wir echt am Limit, also die Staatsquote in Österreich ist über 50 Prozent von unserem Bruttoinlandsprodukt. Das hat dann irgendwann einmal nicht mehr gesunde Ausmaße, und deshalb müssen wir uns noch einmal mit dieser Effizienzfrage an allen Ecken und Enden beschäftigen“.
Es braucht einen externen Schock
Mit more of the same, mit Weitermachen, werde sich das vielleicht nicht mehr lange ausgehen. Zu glauben, dass Parteien, die im Niedergang sind, sich aus eigener Kraft erneuern könnten, halte er persönlich eher für eine Illusion. Da brauche es einen externen Schock, wenn man so will, so Kern, der bei diesen Sätzen verdächtigt werden könnte, aus den Reden von FPÖ-Parteichef Herbert Kickl zu zitieren.
SPÖ-Linie zu Kickl Riesendilemma
Und siehe da: Auf die Frage, ob die SPÖ ihre Linie zur Kickl-FPÖ überdenken sollte, antwortete Kern: „Das ist wirklich ein Riesendilemma“. Es wäre ein Unsinn zu glauben, dort seien nur Deppen unterwegs, sprach der Alt-Kanzler an, was viele der Sozialdemokraten schon lange denken.
Kurz lässt Gerüchteküche brodeln
Keine Scheu vor Kickl und seiner FPÖ hat dagegen Sebastian Kurz. Seine Rückkehr in die Politik sehen viele Politik-Insider als sicher an. Eine „Liste Kurz“ oder eine „Wahlplattform“ werde angedacht, ein Treffen des einstigen türkisen Wunderkindes mit Herbert Kickl und unabhängig davon mit dem Unternehmer Stephan Zöchling lassen die Gerüchteküche brodeln.
