Clemens Pig wird neuer ORF-Generaldirektor: Während der Stiftungsrat seine Wahl als klares Votum wertet, spricht die FPÖ von Postenschacher.

12. Juni 2026 / 09:00 Uhr

Nach Marathonsitzung: Rot-schwarzer Wunschkandidat an die Spitze des ORF gewählt

Die Entscheidung ist gefallen: Clemens Pig, bisher vor allem als langjähriger Spitzenmanager der APA bekannt, soll den ORF in den kommenden fünf Jahren führen.

Fast zwei Drittel der Stimmen

Im ORF-Stiftungsrat erhielt er 21 von 35 Stimmen und setzte sich damit klar gegen die übrigen Bewerber durch. Der Abstimmung war eine außergewöhnlich lange Sitzung vorausgegangen.


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Wunschkandidat der Regierung

Aus Sicht der FPÖ ist das Ergebnis jedoch alles andere als ein Neuanfang. FPÖ-Mediensprecher und Generalsekretär Christian Hafenecker reagierte mit scharfer Kritik auf die Bestellung Pigs:

ÖVP und SPÖ haben ihren abgekarteten Postenschacher in aller Öffentlichkeit also durchgezogen und den Wunschkandidaten von Stocker und Marchetti in den ORF-Generaldirektorssessel gehievt.

Für ihn sei die Entscheidung „die Fortsetzung eines Systems, das von Postenschacher, parteipolitischen Abhängigkeiten und der Absicherung von Machtstrukturen lebt“.

Fehlende Glaubwürdigkeit

Hafenecker sprach von einem „unwürdigen Schauspiel“ und meinte

Von einer Wahl kann man da ja wirklich nicht sprechen, höchstens mit einem nordkoreanischen Demokratieverständnis, denn der Gewinner stand von Anfang an fest.

Bereits vor der Sitzung seien Gerüchte über politische Vorabsprachen und Einflussnahmen im Raum gestanden. Wenn zentrale Personalentscheidungen schon Wochen vor der Abstimmung in Medienberichten vorweggenommen würden, habe das „mit einem transparenten Auswahlverfahren wirklich gar nichts mehr zu tun“, so Hafenecker.

Andere Kandidaten chancenlos

Der Stiftungsrat hatte neben Pig auch andere Kandidaten angehört, darunter den ehemaligen HBO-Manager Johannes Larcher, den früheren ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer Markus Breitenecker, ORF-TV-Magazinchefin Lisa Totzauer und ORF-III-Kogeschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz. Auch weitere Bewerber aus Medien und ORF-Umfeld waren im Rennen.

Am Ende setzte sich Pig deutlich durch.

Vertrauens- und Finanzierungskrise

Pig selbst stellte nach seiner Wahl andere Schwerpunkte in den Vordergrund. Er wolle „bereits morgen“ beginnen, mit der interimistischen ORF-Chefin Ingrid Thurnher zusammenzuarbeiten. Die kommenden Aufgaben beschrieb er als groß und gleichzeitig drängend.

Zu den zentralen Feldern zählte er „Vertrauen und Legitimation in schwierigen Zeiten, die Finanzierungskrise sowie eine entschlossene Plattform- und Digitalisierungsstrategie“. Sein Ziel sei es, den ORF zur „Plattform der Gesellschaft“ zu entwickeln. Etwas, was im Rundfunkgesetz seit jeher vorgeschrieben ist, von dem sich der Staatsfunk aber längst entfernt hat.

Rot-schwarze Einigkeit

Der dem SPÖ-nahen Lager zugerechnete Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer sprach nach der Wahl von einem klaren Votum für Pigs Konzept. Vor der Sitzung hatte er betont, man werde sich „sicherlich nicht von irgendjemandem unter Druck setzen lassen“.

Der dem ÖVP-nahen Lager zugerechnete stellvertretende Vorsitzende Gregor Schütze verwies auf das Auswahlverfahren und dessen Anforderungen an Transparenz und Nachvollziehbarkeit.

Kritik an „Regierungspropaganda“

Die FPÖ sieht darin keine ausreichende Antwort auf ihre Vorwürfe. Hafenecker erklärte, das Vertrauen vieler Menschen in den ORF habe bereits schwer gelitten. Der Sender habe sich aus seiner Sicht „zum Regierungspropagandafunk entwickelt“.

Freiheitliche Positionen würden „regelmäßig diffamiert, verzerrt oder ausgegrenzt“. Wer gehofft habe, mit einem neuen Generaldirektor beginne eine echte Reform, werde nun enttäuscht:

Der Küniglberg bleibt ein Selbstbedienungsladen der Systemparteien.

Vorwurf: Wahlfarce

FPÖ-nominierte Stimmen im ORF-Stiftungsrat kündigten Widerstand an. Peter Westenthaler sprach nach der Entscheidung von einer „Farce von einer Wahl“ und einer „ekelhaften Postenbesetzung von Rot und Schwarz“. Rechtliche Schritte gegen die Bestellung gelten nicht als ausgeschlossen.

Pig zeigte sich diesbezüglich unbeeindruckt und sagte: „Ich vertraue auf den funktionierenden Rechtsstaat.“

Ideologie vor Qualität

Auf den neuen ORF-Chef wartet jedenfalls eine schwierige Aufgabe. Der Sender steht vor massiven finanziellen Herausforderungen. Die Haushaltsabgabe bleibt bis 2029 eingefroren, gleichzeitig fällt eine jährliche Kompensation in Millionenhöhe weg. Pig sieht im monatlichen Beitrag ein „Dienstleistungsversprechen“.

Zugleich wird er rasch personelle Weichen stellen müssen: Neben den Landesdirektionen sind zentrale Direktorenposten zu besetzen. Dabei zeigte sich, was dem neuen ORF-Chef wichtig ist. Er kündigte an:

Die einzige Vorgabe, die ich mir selber mache, ist, dass ich hier ein striktes Geschlechterverhältnis repräsentiert sehen will.

FPÖ will weiter Druck machen

Seltsame Prioritäten. Hafenecker kündigte an, den politischen Druck weiter zu erhöhen. Der ORF müsse „mit einer Totalreform komplett neu aufgesetzt werden“ — als „gertenschlanker Grundfunk“, ohne Zwangsgebühren, politische Einflussnahme, „Luxusgagen“ und Privilegien.

Ein verschlankter ORF müsse den Bürgern dienen, nicht den Interessen von ÖVP, SPÖ oder „des übrigen Systems“.

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