Der Schauplatz ist derselbe, die politische Lage eine völlig andere: Im Congress Innsbruck erinnerte die FPÖ heute, Samstag, an jenen Parteitag, der vor 40 Jahren Jörg Haider an die Spitze der Freiheitlichen brachte. Bundesparteiobmann Herbert Kickl erklärte die damalige Machtübernahme zum „zweiten Geburtstag“ der Partei und nutzte den historischen Rückblick für eine scharfe Abrechnung mit den politischen Gegnern.
Vom kleinen dritten Lager zur politischen Kraft
Damals stand die FPÖ unter Norbert Steger, Vizekanzler und Parteichef in der SPÖ-FPÖ-Koalition. Am 13. September 1986 setzte sich Haider in Innsbruck mit 57,7 Prozent der Delegiertenstimmen gegen Steger durch. Wenige Wochen später folgte die Nationalratswahl: Die Freiheitlichen steigerten sich auf 9,73 Prozent und verdoppelten damit beinahe ihr Ergebnis.
Für Kickl war dieser Einschnitt weit mehr als ein gewöhnlicher Wechsel an der Parteispitze. Er sprach von einer „politischen Revolution der Denkungsart“ und einem „zweiten Geburtstag“ der FPÖ. Aus dem damaligen dritten Lager sei eine eigenständige politische Kraft geworden. Die historische Bilanz, die Kickl daraus zieht, ist klar: Der Innsbrucker Parteitag habe die Grundlage für den späteren Aufstieg der Freiheitlichen gelegt.
„Die Altparteien vor uns hertreiben“
Besonders genüsslich griff Kickl dabei einen Satz auf, der mit Haiders Aufstieg verbunden ist: „Wir werden die Altparteien vor uns hertreiben.“ Der Spruch steht bis heute für den damaligen Angriff auf die jahrzehntelange Dominanz von SPÖ und ÖVP. Tatsächlich veränderte sich das österreichische Parteiensystem nach 1986 nachhaltig; die FPÖ konnte bei der folgenden Wahl deutlich zulegen.
Kickl stellte diesen historischen Anspruch demonstrativ in die Gegenwart. Aus einer Partei, die einst um politische Anerkennung gerungen habe, sei eine Bewegung mit eigenem Machtanspruch geworden. Seine Botschaft an die heutige FPÖ: Haiders politisches Erbe soll nicht lediglich bewahrt, sondern weitergeführt werden.
Remigration, Zuwanderung und der alte Konflikt
Von der Geschichte führte Kickl direkt zu einem der härtesten politischen Konflikte der Gegenwart: Migration. Er warf politischen Gegnern vor, Begriffe der Freiheitlichen bewusst umzudeuten, und stellte insbesondere „Remigration“ der illegalen Massenzuwanderung gegenüber. Eine ähnliche Argumentationslinie hatte Kickl bereits im Nationalrat vertreten: „Das Problem ist die illegale Massenmigration.“
Scharfe Attacke auf die politische Konkurrenz
Noch härter wurde Kickl bei seiner Abrechnung mit der heutigen Politik. Die Regierungsparteien hätten den Mut zu grundlegenden Entscheidungen verloren, so seine Kritik. Er warf den politischen Verantwortlichen vor, lieber Risiken für Wohlstand, Arbeitsplätze und die Zukunft der nächsten Generation in Kauf zu nehmen, als selbst politische Konsequenzen zu tragen.
Seine Kritik erstreckte sich dabei von wirtschaftlichen Belastungen über das Gesundheitswesen bis zu Schule, Migration und gesellschaftspolitischen Fragen. Besonders scharf attackierte Kickl Entwicklungen, die er als linke Ideologisierung des Bildungswesens bezeichnete. Statt praktischer Lösungen sehe er zu viel politischen Apparat und zu wenig Orientierung an den Interessen der Bürger.
Vision statt „seelenloser“ Politik
Dem stellte Kickl sein eigenes politisches Gegenbild entgegen. Politik müsse wieder eine konkrete Vorstellung davon haben, wie das Land aussehen soll. „Wo keine Vision ist, da ist ein Volk verloren“, sagte der FPÖ-Chef und bezeichnete die Politik der Systemparteien als „seelenlos“ und „herzlos“.
Seine Vision blieb dabei bewusst alltagsnah: eine junge Frau, die nach der Spätschicht sicher nach Hause kommt; Familien, die am Küchentisch wieder Zukunftspläne machen können, anstatt wegen der Teuerung nur noch zu rechnen; und ein Österreich, in dem die Hoffnung auf den nächsten Tag größer ist als die Sorge davor.
„Vollenden“ statt nur zurückblicken
Zum Schluss ging Kickl noch einen Schritt weiter. Die Erinnerung an Haider solle nicht in Nostalgie enden. Die Freiheitlichen würden ihrem früheren Parteichef vielmehr dadurch gerecht, dass sie dessen politisches Werk weiterentwickelten.
„Vollenden wir also gemeinsam mit der Bevölkerung das, was vor 40 Jahren in Innsbruck begonnen worden ist!“, lautete sein Appell. Vier Jahrzehnte nach Haiders Sieg will Kickl damit die historische Erzählung der FPÖ unmittelbar mit dem heutigen politischen Anspruch der Partei verbinden. Der Innsbrucker Parteitag von 1986 bleibt für die Freiheitlichen damit nicht bloß Vergangenheit, sondern politischer Bezugspunkt für ihren weiteren Kurs.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen
