ÖVP-Chef und Bundeskanzler Christian Stocker hatte im ORF-Sommergespräch 2025 hoch und heilig versprochen, dass der Zuverdienst von Pensionisten ab 2026 lediglich mit 25 Prozent besteuert werden würde. Das passierte nicht. Heute, Montag, versprach er, dass Pensionisten, die länger arbeiten und dazuverdienen, ab 1.1. 2027 einen Freibetrag von 15.000 Euro bekommen. Man darf gespannt sein!
“Versprechen muss man ja auch einhalten”
Als Fernsehzuschauer fieberte man daher einer Frage an den Kanzler besonders entgegen – und dann stellte sie Moderatorin Simone Stribl tatsächlich: „Was sind Ihre Ankündigungen wert, Herer Bundeskanzler?“ Stribl sagte, dass Stocker ja auch eine Volksbefragung zur Wehrpflicht angekündigt habe, die dann wieder abgesagt wurde. Da hatte der ÖVP-Kanzler nur entgegenzusetzen, dass er ja nicht alleine in der Regierung sei. Stribl im Nachsatz: „Versprechen muss man ja auch einhalten, es geht ja um die Glaubwürdigkeit in der Politik“.

Alles Versäumnisse der ÖVP
Wenig glaubwürdig kam Stocker über den Bildschirm, als er die langjährige FPÖ-Forderung, den politischen Islam zu verbieten, plötzlich als seine Idee verkaufen wollte. Der Kanzler zählte dazu viele Verfehlungen dieser Herrschafts-Ideologie in der Gesellschaft, wie Ehrenmorde oder Zwangsheirat, auf. Stribl stellte dazu fest, dass die ÖVP schon seit Jahrzehnten in Verantwortung sei und dass alle Versäumnisse, die Stocker aufzähle, daher Versäumnisse der ÖVP seien.
“Ich bin ja nicht als Bundeskanzler auf die Welt gekommen”
Zur seiner unglücklichen Aussage, dass Kinderbetreuung keine Arbeit sei, meinte Stocker, dass er die Welle der Empörung verstehe. Er habe sich bei allen entschuldigt, die sich beleidigt gefühlt hätten. Und Stocker verwies auf die eigene Kindererziehung, die er und seine Frau bewältigen mussten, „ich bin ja nicht als Bundeskanzler auf die Welt gekommen“.
700 Millionen mit 700 Milliarden verwechselt
Bei unangenehmen Wahrheiten kam der von FPÖ-Chef Herbert Kickl einmal als „Buddha“ bezeichnete Kanzler ins Schwitzen. Da musste kurz das Taschentuch her, um den Schweiß abzuwischen. Doch war damit der nächste Fauxpas nicht zu verhindern – Stocker verwechselte peinlicherweise 700 Millionen mit 700 Milliarden. Stribl besserte ihn aus.
“Wir werden es gemeinsam bewältigen, oder überhaupt nicht”
Schon schlug die nächste Frage wie ein Blitz ein. „Warum wollen die wichtigsten Menschen in Ihrer Partei mit Ihnen nichts zu tun haben?“, frage die ORF-Moderatorin und nannte dabei die Landeshauptleute von Oberösterreich, Niederösterreich und Tirol, Thomas Stelzer, Johanna Mikl-Leitner und Anton Mattle. Stocker bestritt das, meinte aber wohl auch an die Adresse seiner Kritiker: „Wir werden es gemeinsam bewältigen, oder überhaupt nicht bewältigen“.
“Was kann Kunasek besser als Sie?”
Stribl befragte Stocker auch zur Beliebtheit des steirischen Landeshauptmanns Mario Kunasek, der laut Umfragen bereits bei 43 Prozent liegt: „Was kann Kunasek besser als Sie?“. Dazu Stocker: „Ich bin kein Landeshauptmann“. Jedenfalls sei er mit den Umfragen (die ÖVP liegt bei jedem Institut weit unter 20 Prozent) nicht zufrieden, „wir müssen besser werden“.
