Knapp vor dem Referendum in Island dreht die Stimmung. Die neueste Gallup-Erhebung zeigt: Die Jugend ist EU-skeptischer als das Land insgesamt.

28. August 2026 / 12:03 Uhr

Die Jugend zeigt klare Haltung: 60 Prozent sagen Nein zum EU-Beitritt

Ausgerechnet die jungen Isländer lassen Brüssel auflaufen. Laut der jüngsten Umfrage, die RÚV am gestrigen Donnerstag veröffentlichte, wollen 60 Prozent der 18- bis 29-Jährigen am Samstag mit Nein stimmen – gegen die Wiederaufnahme der EU-Beitrittsverhandlungen.

Radikaler Wandel

Das ist ein Bruch. Dieselbe Altersgruppe lag im Juni noch bei 63 Prozent Ja. Jetzt führt sie das Nein-Lager an, noch vor den über 70-Jährigen. Das Referendum am 29. August in Island fragt nicht nach der Mitgliedschaft selbst, sondern nur: „Soll Island die Beitrittsgespräche mit der Europäischen Union wieder aufnehmen?”

Jugend kippt, Gesamtbild bleibt hauchdünn

Bei den Entschiedenen steht Gallup nun bei 51,6 Prozent Nein und 48,4 Prozent Ja. Der Abstand gilt wie zuvor als nicht statistisch signifikant. Die Feldarbeit lief vom 24. bis 27. August, das Bruttosample umfasste 4.583 Personen, die Teilnahme lag bei 39,1 Prozent. Nur Tage zuvor hatte Maskína für Vísir unter Entschiedenen noch 51,3 Prozent Ja und 48,7 Prozent Nein gemessen, erhoben vom 21. bis 25. August.

Der Ja-Vorsprung in den Maskína-Reihen schmolz über den Sommer Stück für Stück: im Juni noch 6,2 Punkte, zuletzt 2,6. Gallup hatte Mitte August ebenfalls knapp über 51 Prozent Ja gesehen. Jetzt liegt das Nein vorn – und die Jüngsten ziehen am schärfsten nach.

Regierung will reden, das Land zögert

Ministerpräsidentin Kristrún Frostadóttir von der sozialdemokratischen Samfylkingin wirbt für ein Ja. Ihre Mitte-links-Regierung hat die Abstimmung auf den 29. August gelegt. Ein Ja würde nach Angaben des Außenministeriums Gespräche noch 2026 eröffnen können, mit einem zweiten Referendum über einen fertigen Vertrag. Island hatte 2009 den Antrag gestellt, die Verhandlungen 2013 eingefroren.

Wer die Regierung stützt, sagt laut Gallup überwältigend Ja. Wer sie nicht stützt, liegt bei 88 Prozent Nein. In der Hauptstadtregion Reykjavík bleibt das Ja stärker, auf dem Land das Nein. Streitpunkte sind seit Jahren dieselben: Fischerei, Landwirtschaft, Währung – und die Frage, wer künftig über isländische Gewässer entscheidet. Fischereiunternehmer Pétur Pálsson sagte der BBC: „If we are in the EU, they will be the ones who make the policy.“

Souveränität schlägt das Werbeversprechen

Maskína hatte parallel gefragt, ob den Leuten bei einer EU-Mitgliedschaft um Islands Souveränität bange. 40 Prozent sagten ja, 47 Prozent wenig oder gar nicht. Die Kampagne der Nein-Seite fuhr mit Slogans wie „Iceland for sale? No thanks“. Die Ja-Seite verkauft die Abstimmung als Blick ins Paket, nicht als Beitritt.

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