Nigel Farage hat seinen Unterhaussitz in Clacton mit mehr als 63 Prozent der Stimmen souverän verteidigt.

15. August 2026 / 08:46 Uhr

Parlamentsnachwahl: Farages rechte Reform UK gewinnt in Clacton deutlich

Nigel Farage bleibt Abgeordneter des englischen Küstenwahlkreises Clacton.

Klarer Wahlsieg mit mehr als 63 Prozent

Bei der Parlamentsnachwahl am vergangenen Donnerstag setzte sich der Reform-UK-Vorsitzende mit 63,34 Prozent der abgegebenen Stimmen durch.

Insgesamt bewarben sich nicht weniger als 34 Kandidaten um das Mandat. Die dadurch entstandene, rund 90 Zentimeter lange Abstimmungsliste war die längste in der britischen Wahlgeschichte.

Farage mobilisierte mehr Wähler als 2024

Dabei konnte Farage seine absolute Stimmenzahl gegenüber der britischen Parlamentswahl vom Juli 2024 sogar noch steigern. Damals hatten 21.225 Wähler für ihn gestimmt; diesmal waren es 22.239 und damit rund 1.000 mehr – obwohl die gesamte Wahlbeteiligung niedriger ausfiel.

Bei der regulären Parlamentswahl 2024 hatte Farage Clacton mit 46,2 Prozent und einem Vorsprung von rund 8.400 Stimmen erstmals gewonnen. Mit nunmehr 63,34 Prozent konnte er seinen damaligen Stimmenanteil deutlich übertreffen.

Geringschätzung der Wähler

Die Konservativen, die Labour-Partei und andere große Parteien verzichteten diesmal allerdings auf eigene Kandidaturen. Sie bezeichneten die Nachwahl als „Medienzirkus“ und „Eitelkeitsprojekt“. Für Farage – und offenbar auch für die Briten – war die Abstimmung hingegen eine Entscheidung zwischen der Bevölkerung und dem politischen Establishment dar.

Rücktritt löste Nachwahl aus

Farage hatte sein Unterhausmandat am 8. Juli zurückgelegt und damit die Nachwahl selbst ausgelöst. Hintergrund waren Fragen zu einer Zuwendung von fünf Millionen Pfund, die er vom Kryptowährungsunternehmer Christopher Harborne erhalten haben soll. Eine Untersuchung der parlamentarischen Aufsichtsbehörde soll nach Farages Wiederwahl fortgesetzt werden.

Mit seinem erneuten Antritt stellte sich Farage unmittelbar dem Urteil der Wähler seines Wahlkreises. Diese sprachen ihm mit einer deutlichen Mehrheit erneut ihr Vertrauen aus.

Misstrauen gegenüber Mainstreammedien

Farage nahm an der offiziellen Verkündung des Ergebnisses nicht teil. Er erklärte, von den Behörden vor einem organisierten Versuch gewarnt worden zu sein, ihn bei der Veranstaltung öffentlich bloßzustellen.

Die Behörden von Essex widersprach allerdings der Darstellung, sie habe ihm vom Erscheinen abgeraten. Farage hielt sich stattdessen beim sogenannten „Farage Fest“ am Rand des Wahlkreises auf.

Zwei Erfolge, aber zwei verschiedene Wahlen

Die Abstimmung in Clacton ist der nächste Triumpf für die neue politische Partei in Großbritannien.

Am 7. Mai wurden auf kommunaler und regionaler Ebene gewählt – ein Erdrutschsieg für Reform UK. Farages Partei kam auf 1.372 zusätzliche Sitze und stellt nun insgesamt 1.454 Gemeinderäte – mehr als jede andere Partei.

Reform UK festigt ihre politische Stellung

Reform UK besitzt in weiten Landesteilen erheblichen Rückhalt. Die Partei setzt insbesondere die zwei großen Parteien Arbeiterpartei (Labour) und die Konservativen unter Druck und stellt das traditionelle britische Zweiparteiensystem erfolgreich infrage.

Der klare Erfolg in Clacton bestätigt auch Farages persönliche Stärke in seinem Wahlkreis. Trotz der Kritik seiner politischen Gegner und der offenen Untersuchung konnte er seine Wähler erneut mobilisieren und seinen Stimmenanteil deutlich ausbauen.

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