Ernst Nevrivy

SPÖ-Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy, eigentlich ein Vertrauer seines Genossen und Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig, rechnet mit seiner Partei ab.

13. August 2026 / 14:54 Uhr

SPÖ-Zerreißprobe: Ludwig-Vertrauter zerlegt Babler als „Bürgermeister, der nichts kann“

Es sind ein paar Sätze in einem Weinkeller, die für die SPÖ zum politischen Sprengsatz werden. Laut Kurier stammen die Aufnahmen aus einer Vierer-Runde am 20. November 2025 im Keller des damals noch amtierenden Präsidenten der Wiener Wirtschaftskammer, Walter Ruck, und sie bringen Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy aus der Donaustadt erneut massiv unter Druck. Auf Tonband dokumentiert: ein roter Funktionär, der nicht gegen die FPÖ oder ÖVP austeilt – sondern gegen die eigene Spitze.

Der Mann, der im roten Wien bislang als robuster Ludwig-Vertrauter galt, legt in der Runde offenbar eine Generalabrechnung mit der SPÖ-Führung hin. Die Aussagen sind drastisch, der Ton ungefiltert, der Inhalt politisch explosiv – und sie treffen niemand Geringeren als den eigenen Parteichef und Vizekanzler Andreas Babler.

„Dilettantenpartie“ und „Bürgermeister, der nichts kann“

Was auf den Bändern zu hören ist, lässt tief in die Stimmungslage im Inneren der SPÖ blicken. Laut Kurier spricht Nevrivy zunächst pauschal von einer „Dilettantenpartie“ an der Parteispitze und einer insgesamt „deprimierenden“ Lage.

Dann nimmt der Bezirksvorsteher die Person Andreas Babler direkt ins Visier. Die Wortwahl ist vernichtend: „Ein Bürgermeister, der nichts kann“, „Babler kann nichts“ – so zitiert der Bericht die Aussagen Nevrivys, garniert mit Schimpfwörtern, die den Respekt vor dem eigenen Parteivorsitzenden endgültig pulverisieren.

Mietpreisbremse ohne Bremse? Nevrivy zerlegt Bablers Politik

Noch schärfer wird es, wenn Nevrivy auf die Linie der SPÖ-Politik zu sprechen kommt. Inhaltlich greift er laut Bericht vor allem Bablers Miet- und Rentenpolitik an – also genau jene Felder, auf denen sich die SPÖ gern als „Partei der kleinen Leute“ inszeniert.

Beim Projekt „Mietpreisbremse“ wirft Nevrivy dem eigenen Chef handwerkliche Fehler vor. Die politische Maßnahme, die Babler als Entlastung für Mieter verkaufte, sei in der Praxis ins Leere gelaufen. Laut den Tonaufnahmen urteilt Nevrivy, durch Bablers Pläne habe „kein einziger Österreicher weniger Miete gezahlt“. Damit steht im Raum, dass die groß angekündigte Mietbremse für die Bürger am Ende nur eine weitere sozialdemokratische Schlagzeile gewesen sein könnte – ohne realen Effekt.

Noch deutlicher wird es bei den Pensionen. Nevrivy stößt sich laut Bericht daran, dass Pensionen ab 2.500 Euro brutto von Babler als Sonderbeitrag klassifiziert werden. Die Tonbänder dokumentieren den Vorwurf, damit sei auf einmal „jeder Österreicher, der sein Leben lang gearbeitet hat, auf einmal eine Luxuspension laut Babler“.

Schimpftirade gegen Rathaus-Apparat und Wirtschaftsagentur

Die Attacken Nevrivys enden nach den Aufnahmen nicht bei Babler. Laut Kurier holt der Donaustadt-Chef auch gegen den rot dominierten Wiener Apparat aus. Die Wirtschaftsagentur der Stadt Wien bezeichnet er demnach als „inkompetentesten Haufen, den es geben tut“. Eine öffentliche Förder- und Standortagentur, die mit Steuergeld Unternehmer unterstützen soll, wird vom eigenen Bezirksvorsteher auf Tonband als Totalausfall abgewatscht – eine Ansage, die im Rathaus für ordentlichen Gesprächsstoff sorgen dürfte.

Auch SPÖ-Gesundheitsstadtrat Peter Hacker, bleibt nicht verschont. Nevrivy stelle laut Bericht die inhaltliche Kompetenz Hackers offen infrage.

Ludwig-Vertrauter mit Vorgeschichte

Besonders heikel: Die Aussagen kommen nicht von einem Randfunktionär, sondern von einem Politiker mit direktem Draht ins Rathaus. Ernst Nevrivy gilt seit Jahren als enger Vertrauter von Bürgermeister Michael Ludwig. In Donaustadt, dem flächenmäßig größten Bezirk Wiens, ist er eine zentrale Figur des roten Machtgefüges. Hinzu kommt, dass Nevrivy keine unbeschriebene politische Figur ist. Der SPÖ-Mann hat in der Vergangenheit bereits juristische Verfahren überstanden: Im sogenannten Wienwert-Prozess wurde er freigesprochen, eine Ermittlung in der sogenannten Kleingartenaffäre wurde eingestellt.

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