Abstimmung mit den Füßen: Seit Einführung des Pfandsystems kaufen die Österreicher weniger Pfandprodukte.

5. August 2026 / 09:32 Uhr

Täglicher Ärger im Supermarkt beim Pfand: Jetzt auch noch weniger Geld zurück

Seit Jänner 2025 gilt das neue Pfandsystem für Einwegkunststoffflaschen und Aludosen in Österreich, eingeführt von der früheren Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne).

100 Millionen Euro bleiben im System

Seither wird auf jede Einwegflasche und auf jede Dose zwischen 0,1 und drei  Litern ein Pfand von 25 Cent fällig. Das läppert sich.

Doch allein im vergangenen Jahr 2025 wurden rund 100 Millionen Euro an Pfandbeträgen nicht wieder abgeholt. Diese Mittel wurden für Verwaltung, Logistik und Betrieb bei den Sammelstellen verwendet, nur ein kleiner Teil sei für Projekte zur Abfallvermeidung vorgesehen, ergab eine parlamentarische Anfragebeantwortung.

Versteckte Steuererhöhung

FPÖ-Nationalratsabgeordneter und KMU-Sprecher Michael Fürtbauer fordert eine andere Verwendung und vollständige Transparenz über diese Beträge:

Hundert Millionen Euro wurden von den Menschen bezahlt, aber nicht zurückgeholt. Das ist politisch organisierter Zugriff auf Konsumentengeld, eigentlich eine versteckte Steuererhöhung.

Die 25 Cent gehörten dem, der sie bezahlt habe, nicht einem Verwaltungsapparat. Die Erlöse aus nicht eingelöstem Pfand müssen vollständig und transparent ausgewiesen sowie für Konsumenten, Gemeinden und Umweltprojekte zweckgewidmet werden, forderte Fürtbauer.

Politisch umstritten

Das Einwegpfandsystem in Österreich bleibt politisch umstritten. Die PET to PET Recycling Österreich GmbH, verantwortlich für das System, meldet für das erste Halbjahr 2026 rund 17.101 Tonnen gesammelte Getränkeflaschen.

Das ist weniger als 2025 mit 18.403 Tonnen und mehr als 2024 mit 16.071 Tonnen.

Für die FPÖ ändert die positive Entwicklung beim PET-Recycling nichts an ihrer grundsätzlichen Kritik. Die Bevölkerung ihrerseits macht Abstimmung mit den Füßen: sie kauft seit Einführung des Pfandsystems weniger Pfandprodukte.

Jetzt weniger Geld zurück

Seit 1. Juli gilt bei der Rückgabe bestimmter Mehrweggebinde ein reduzierter Umsatzsteuersatz von 4,9 Prozent, obwohl beim Kauf noch zehn Prozent eingehoben wurden.

Dadurch sinkt das Rückgabepfand: Aus 22 Cent werden 21 Cent, aus 17 Cent 16 Cent und aus 5,50 Euro für eine Milchkiste 5,25 Euro.

Kritik von FPÖ

„Zuerst feiert die Bundesregierung zwei Cent Ersparnis bei einer Semmel wie ein wirtschaftspolitisches Großereignis, und beim Pfandautomaten holt sie sich das Geld wieder zurück“, kritisiert Fürtbauer.

Mit der verringerten Pfandrückgabe sei „die angebliche Entlastung von ein paar Semmeln sofort wieder weg.“

Mehrwegflasche wird bestraft

Besonders scharf kritisiert er, dass die Einweg-Glasflasche weiterhin kein Pfand hat, während ausgerechnet bei der ökologisch besseren Mehrwegflasche weniger Pfand zurückgezahlt wird. „Der umweltbewusste Österreicher muss zahlen. Das Finanzministerium musste dieses Problem kennen und hat es trotzdem zugelassen“, so Fürtbauer.

Rückgabequote und regionale Sammelstellen

Die FPÖ stellt zudem die Kommunikation über die Rückgabequote infrage. Fürtbauer argumentiert, dass die genannte Quote von 81,5 Prozent auf einer Modellrechnung mit einer angenommenen Verweildauer der Gebinde beruhe. Gemessen an den 2025 in Verkehr gebrachten und tatsächlich retournierten Flaschen und Dosen ergebe sich aus seiner Sicht eine deutlich niedrigere Quote.

Kritik gibt es auch an der Logistik. Manuell gesammelte Pfandsäcke würden zu wenigen zentralen Zählstellen transportiert – bedeutet zusätzliche Wege und eine Schwächung regionaler Sammelstrukturen wie Gelber Sack, Gelbe Tonne und Altstoffsammelzentren.

Zentralismus gegen Regionen

„Altstoffsammelzentren verlieren Rohstoffe und Einnahmen, während ein neues zentralistisches System aufgebaut wird. Die Kosten tragen am Ende Gemeinden und Gebührenzahler“, warnte Fürtbauer.

Die FPÖ verweist in diesem Zusammenhang auf Einnahmenausfälle bestehender Sammelsysteme und auf steigende Tarife in der Verpackungsentsorgung. Aus ihrer Sicht wären gezielte Verbesserungen in Ballungsräumen sinnvoller gewesen als ein österreichweit einheitliches Parallelmodell.

FPÖ bleibt bei Forderung nach Abschaffung

„Wir sind nicht gegen Recycling. Wir sind gegen ein System, in dem Konsumenten zahlen, Betriebe belastet werden, Gemeinden verlieren und ein Verwaltungsapparat 100 Millionen Euro Pfandschlupf verwaltet. Dieses System gehört abgeschafft“, so Fürtbauer.

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