Andreas Rabl, freiheitlicher Bürgermeister der zweitgrößten Stadt in Oberösterreich, Wels, konnte nicht ahnen, dass er vor drei Monaten in Manchester, England, dem künftigen Premierminister Andy Burnham die Hand geschüttelt hat.
Gespräch zwischen Bürgermeister und Bürgermeister
Rabl, damals mit einer Delegation in Großbritannien unterwegs, besuchte Burnham als Bürgermeister der Stadt Manchester, um mit ihm über kommunale Angelegenheiten zu sprechen. Damals war es ein Gespräch zwischen Bürgermeister und Bürgermeister – wenige Monate später stellt sich dieses Treffen ganz anders dar: Rabl sprach mit dem mächtigsten Politiker Großbritanniens.
Gratulation aus Wels
Auf seiner Facebook-Seite gratulierte der Welser Bürgermeister seinem früheren Amtskollegen zum Karrieresprung, dessen politische Linie er zwar nicht teile, „der aber als Bürgermeister gezeigt hat, dass man etwas verändern kann“.
“Rücksichtsloser Strippenzieher”
Der neue britische Premierminister Burnham gilt als „König des Nordens“ und ist Hoffnungsträger der Labour-Partei, die nach dem Wahlsieg 2024 ihre komfortable Mehrheit im Parlament aber wegen interner Streitigkeiten nie wirklich nutzen konnte. Seit Monaten liegt die Partei Reform UK von Nigel Farage in Umfragen teils deutlich voran.
Burnham gilt als klassisch sozialdemokratisch und wird links der Mitte verortet. „Wer ist dieser Mann?“, versuchte der Fernsehsender BBC zu ergründen. Zur Auswahl stand auch die Bezeichnung „rücksichtsloser Strippenzieher“.
Vorbild Wels
Rabl und Burnham trennen nicht nur die politisch unterschiedlichen Lager. Während der Welser Bürgermeister bereits gezeigt hat, dass er seine Stadt schuldenfrei machen und sogar Überschüsse erwirtschaften kann, muss der Premierminister seine wirtschaftliche Kompetenz erst unter Beweis stellen. Gut möglich, dass Burnham eines Tages zu einem Gegenbesuch nach Österreich aufbricht, um vom „Vorbild Wels“ zu lernen.
Rabl sagte gegenüber unzensuriert, dass Burnham beim Treffen in Manchester sehr charismatisch rübergekommen sei. Im Gespräch zwischen ihnen wäre auch über die Pläne gesprochen worden, die Daseinsvorsorge in Manchester zu verstaatlichen. Ein Vorhaben, das Burnham nun auch als Premierminister vertritt. Rabl: “Das kostet richtig viel Geld. Ich bin schon gespannt, woher er dieses Geld bei der desaströsen Budget-Situation in Großbritannien nehmen wird”.
