Der digitale Euro rückt näher. Brüssel arbeitet an den letzten rechtlichen Grundlagen, während die Europäische Zentralbank bereits die praktische Erprobung vorbereitet. Der große Test soll 2027 beginnen, eine mögliche erste Ausgabe ist für 2029 vorgesehen.
Brüssel arbeitet am nächsten Schritt
Noch ist der digitale Euro keine beschlossene neue Währung. Die entscheidende Gesetzgebung befindet sich weiterhin im europäischen Gesetzgebungsverfahren. Der EU-Rat, das Europäische Parlament und die EU-Kommission verhandeln über den endgültigen Rechtsrahmen. Das Europäische Parlament hat seine Position bereits am 9. Juli 2026 festgelegt, anschließend wurden die sogenannten Trilogverhandlungen zwischen Parlament, Rat und Kommission aufgenommen.
Damit ist das Projekt allerdings deutlich weiter als noch vor wenigen Jahren. Die EZB bereitet bereits die technischen Voraussetzungen vor. Ihr Ziel: Falls die notwendige EU-Verordnung noch 2026 verabschiedet wird, könnte der digitale Euro 2029 erstmals ausgegeben werden. Eine endgültige Entscheidung über die Ausgabe soll der EZB-Rat aber erst nach Verabschiedung der Verordnung treffen.
36 Zahlungsdienstleister für den großen Test
Besonders konkret wird es beim geplanten Pilotprojekt. Die EZB hat 36 Zahlungsdienstleister ausgewählt, darunter Banken und Nichtbanken. Der zwölfmonatige Pilot soll im September 2027 starten und reale Zahlungsvorgänge testen. Dabei geht es unter anderem um Zahlungen im Handel sowie Überweisungen zwischen Privatpersonen.
Für die Bürger bedeutet das zunächst noch keine Umstellung des täglichen Zahlungsverkehrs. Der Test dient dazu, die technische Infrastruktur und die Abläufe unter realen Bedingungen zu prüfen. Der digitale Euro soll dabei ausdrücklich als Ergänzung zum Bargeld funktionieren und nicht als Ersatz für Scheine und Münzen.
Europa will unabhängiger von Visa und Mastercard werden
Hinter dem Projekt steckt auch ein geopolitischer Gedanke. Nach Darstellung der EZB soll mit dem digitalen Euro eine europäische öffentliche Zahlungsoption entstehen, die auf europäischer Infrastruktur basiert. Damit will man die Abhängigkeit Europas von internationalen privaten Zahlungsnetzwerken verringern.
EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone formulierte es im Juli deutlich: „Die digitale Infrastruktur, die die Menschen in Europa für ihre alltäglichen Zahlungen nutzen, befindet sich größtenteils nicht in europäischen Händen.“ Genau diese Abhängigkeit bezeichnete er als Problem für die Zentralbank.
Gebührenfrage sorgt für politischen Zündstoff
Während Brüssel am großen Projekt arbeitet, geht es zugleich um eine sehr konkrete Frage: Was kostet digitales Bezahlen Händler und kleine Unternehmen? Italien drängt hier auf Entlastungen. Nach einem Bericht von Euronews unterstützt die italienische Regierung den Vorschlag, bei Zahlungen unter zehn Euro auf Händlergebühren beim digitalen Euro zu verzichten.
Italien hatte bereits im Juni gemeinsam mit Banken und Wirtschaftsverbänden ein neues Protokoll zu elektronischen Zahlungen unterzeichnet. Im Mittelpunkt stehen niedrigere und transparentere Kosten für Händler, besonders bei kleinen Transaktionen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Zahlungen bis 30 Euro und insbesondere auf Beträgen unter zehn Euro.
Noch ist nichts in Stein gemeißelt
Der digitale Euro ist noch nicht eingeführt und auch die endgültige EU-Verordnung ist noch nicht beschlossen. Erst wenn die Gesetzgebung verabschiedet ist, kann der EZB-Rat über eine tatsächliche Ausgabe entscheiden.
Klar ist aber: Das Projekt hat die politische Planungsphase längst verlassen. Gesetzgeber verhandeln, die EZB baut technische Strukturen auf und 36 Zahlungsdienstleister stehen für den geplanten Praxistest bereit. Wenn die europäischen Gesetzgeber den Rechtsrahmen noch heuer beschließen, könnte der digitale Euro damit 2027 erstmals im Pilotbetrieb auftauchen und 2029 tatsächlich ausgegeben werden.
