Die neue Bildungsstatistik liefert einen ernüchternden Befund: Bei den Deutschkompetenzen klaffen zwischen Volksschülern mit und ohne Deutsch als Muttersprache deutliche Unterschiede. Das zeigen die erstmals vollständig ausgewerteten dreijährigen Ergebnisse der iKMPLUS für die Primarstufe.
Deutlicher Abstand bei Lesen, Zuhören und Schreiben
Untersucht wurden die Leistungen von Schülern der vierten Schulstufe aus insgesamt 15.798 Klassen an 3.012 Volksschulen. Im Bereich Deutsch wurden Lesen, Zuhören und das Verfassen von Texten erhoben. Das Ergebnis fällt je nach Muttersprache deutlich unterschiedlich aus.
Beim Lesen erreichten oder übertrafen 70 Prozent der Kinder mit Deutsch als Muttersprache die Bildungsstandards. Bei Kindern ohne Deutsch als Muttersprache waren es lediglich 32 Prozent. Beim Zuhören betrugen die entsprechenden Werte 79 beziehungsweise 29 Prozent. Beim Verfassen von Texten lagen sie bei 50 beziehungsweise 19 Prozent.
Nur zehn Prozent erreichen alle drei Standards
Noch deutlicher wird der Abstand beim Blick auf alle drei Deutschbereiche gemeinsam. 41 Prozent der Schüler mit Deutsch als Muttersprache erreichten oder übertrafen die Bildungsstandards in Lesen, Zuhören und Textproduktion. Bei Schülern ohne Deutsch als Muttersprache waren es lediglich zehn Prozent.
Umgekehrt erreichten 34 Prozent der Kinder ohne Deutsch als Muttersprache die Bildungsstandards in mindestens zwei der drei Kompetenzbereiche nicht. Bei Kindern mit Deutsch als Muttersprache lag dieser Anteil bei vier Prozent.
Auch Mathematik betroffen
Der Unterschied beschränkt sich allerdings nicht auf das Fach Deutsch. Auch in Mathematik zeigen die iKMPLUS-Ergebnisse einen Abstand nach Muttersprache . 89 Prozent der Schüler mit Deutsch als Muttersprache erreichten oder übertrafen die Bildungsstandards, bei Kindern ohne Deutsch als Muttersprache waren es 70 Prozent.
Der ÖIF weist gleichzeitig auf einen weiteren Faktor hin: Die Kompetenzerreichung hängt auch eng mit der sozioökonomischen Ausgangslage der Schule zusammen. Diese berücksichtigt unter anderem den Bildungsstand der Eltern, deren Einkommen und Erwerbsstatus sowie Migrationshintergrund und Alltagssprache der Schüler.
Die Zahlen treffen dabei auf eine Schule, in der der Anteil der Schüler mit nicht-deutscher Umgangssprache langfristig stark gestiegen ist: von 15,6 Prozent im Schuljahr 2006/07 auf 26,0 Prozent 2024/25. Nach jahrelangen Anstiegen wurde zuletzt allerdings wieder ein Rückgang verzeichnet.
