Kurz vor dem Schulanfang im Osten des Landes kommt die unschöne Wahrheit an die Oberfläche. Bei einem geheimen Treffen im Bundeskanzleramt packten Lehrer und Direktoren aus ganz Österreich aus und schilderten Zustände, die das Versagen der etablierten Bildungspolitik schonungslos offenlegen.
Angst vor den eigenen Schülern
Die Furcht unter den Pädagogen sitzt mittlerweile so tief, dass bei dem Gespräch mit Regierungsvertretern nicht einmal Fotos gemacht werden durften. Aus Angst vor personellen oder gesellschaftlichen Konsequenzen blieb die Teilnehmerliste unter Verschluss, wie Heute.at berichtete. Die Schilderungen der Anwesenden zeichnen das Bild einer schleichenden Kapitulation der Rechtsordnung an den Schulen. Besonders dramatisch ist die Situation für Mädchen ohne Kopftuch: Sie werden von männlichen Mitschülern massiv unter Druck gesetzt, schikaniert und sollen zu strengen Verhaltens- und Kleidungsregeln gezwungen werden.
Fehlanreize des Sozialstaats
Parallel dazu offenbart sich ein verheerendes Motivationsproblem, das direkt aus den Lücken des heimischen Sozialsystems resultiert. Wie Pädagogen berichteten, streben einige Schüler ganz bewusst negative Noten an. Das kalkulierte Ziel dahinter: Sie wollen nach der Schule gar nicht erst in den Arbeitsmarkt eintreten, um den Anspruch der Familie auf Sozialleistungen nicht zu gefährden. An einer Schule sah sich eine Lehrperson gar gezwungen, eine eigene Klasse für straffällig gewordene Jugendliche einzurichten, um den Rest der Schülerschaft vor Übergriffen zu schützen.
Symbolpolitik statt harter Maßnahmen
Die politische Reaktion auf diese Entwicklungen fällt gewohnt zögerlich aus. ÖVP-Integrationsministerin Claudia Bauer kündigte zwar an, die Pädagogen nicht alleine zu lassen, setzt dabei jedoch vor allem auf Bürokratie und Kosmetik. Über den Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) sollen österreichweit Workshops und Online-Seminare angeboten werden, um Lehrkräften Handlungsempfehlungen an die Hand zu geben. Bauer betonte, dass Lehrkräfte Rückendeckung brauchten und nicht zu Polizisten im Klassenzimmer werden dürften. Ob bloße Seminare gegen gewachsenen ehrkulturellen Druck und religiös begründete Konflikte etwas ausrichten können, bleibt allerdings mehr als fraglich.
