Der Standard bekommt von Medienminister Andreas Babler (SPÖ) Fördergeld, das Online-Medium exxpress nicht. Die Argumentation ist für viele fadenscheinig. Denn sowohl da und dort sind Userkommentare nicht von schlechten Eltern.Â
Userkommentare als Ausschlussgrund
Ein Fachbeirat sei zur Einschätzung gelangt, dass durch die redaktionelle Einbettung und besondere Herausstellung von Userkommentaren, die wiederholt zu Hass und Gewalt aufstacheln, ein Ausschlussgrund für die Förderung für Qualitätsjournalismus vorliege. Mit diesem Argument entzog man dem exxpress das Geld. Im Vorjahr bekam das Medium noch rund 42.000 Euro, heuer wären es rund 60.000 Euro gewesen.Â
“Ich bin selten entsetzt”
Das habe zwar keine Auswirkungen darauf, ob exxpress weiterhin erscheint oder nicht, sagte Bernhard Heinzlmaier, der dort Kolumnen verfasst, gestern, Sonntag, in der ServusTV-Sendung „Links.Rechts. Mitte“. Doch die Begründung sei seltsam. Er habe sich angeschaut, was im Standard-Forum nach der Ermordung des US-amerikanischen Aktivisten Charlie Kirk kommentiert wurde. Wörtlich sagte Heinzlmaier:
Ich bin selten über etwas entsetzt, aber das habe ich wirklich entsetzlich gefunden, wo die Leute schreiben, „na ja gut, der ist jetzt erschossen worden, man muss ja beim Kampf gegen die Rechten irgendwo anfangen“.Â
Eric Frey, leitender Redakteur beim Standard, der auf ServusTV mit diskutierte, schien ertappt, sagte aber reflexartig:Â
Aber wir haben da sehr viel gelöscht. Kann sein, dass das einmal kurz drauf war.Â
Medien wie exxpress werden systematisch ausgegrenzt
In Wahrheit, so Heinzlmaier weiter, habe sich die Verlierer-Ampel bei der Medienförderung auf nichts einigen können. Es sei vielmehr so, dass man gesagt habe, man muss denen Geld geben. Und Medien wie der exxpress würden von der Regierung systematisch ausgegrenzt.Â
Polizei pauschal Nähe zur NS-Ideologie unterstellt
Ob die Kommentare zur Ermordung von Kirk tatsächlich Einzelfälle sind, die vom Standard übersehen worden sind, wie von Eric Frey dargestellt? Mitnichten. Unzensuriert machte die Probe aufs Exempel und schaute sich an, was die User zum Standard-Artikel unter dem Titel „Polizeizentrum im umgebauten Hitler-Geburtshaus in Braunau eröffnet“ am 22. Juli 2026 so alles gepostet haben.Â
In einer Reihe von Leser-Kommentaren wurde der Polizei pauschal eine Nähe zur NS-Ideologie unterstellt („sie werden im Keller unter Nazi-Untensilien Partys machen“). Unter dem Synonym @tiefseewedler konnte ein Exekutiv-Beamter die Wortmeldungen nicht fassen – er schrieb:
Als Polizist schäme ich mich im Moment für einige Poster hier, die meinen Kollegen eine Nähe zur NS-Ideologie unterstellen.
Ein anderer User tröstete ihn:
Nicht ärgern – die ganz große und stille Mehrheit in Österreich steht hinter unserer Polizei und ist stolz und dankbar.
