Sechs Bewerber treten in New York vor die Weltöffentlichkeit. Vier davon tragen klar linke oder sozialistische Biografien, einer kommt aus dem Umfeld des argentinischen Präsidenten Javier Milei, einer aus dem Zentrum. Die Anhörungen zur Nachfolge des UN-Generalsekretärs António Guterres sind angelaufen.
Sozialistin, Progressive und Multilateralisten
Michelle Bachelet, zweimalige chilenische Präsidentin und Mitglied der Sozialistischen Partei, steht ganz vorn. Die frühere Hohe Kommissarin für Menschenrechte und Ex-Chefin von UN Women formuliert in ihrer Bewerbung den Wunsch, Veränderungen „im Einklang mit unseren gemeinsamen Interessen“ zu bewältigen und „Wege zum Frieden“ zu ebnen. Neben ihr bewirbt sich Rebeca Grynspan aus Costa Rica, Ökonomin und frühere Vizepräsidentin, die dem sozialdemokratischen Partido Liberación Nacional angehört. Die UNCTAD-Chefin nennt sich selbst „reformorientierte Multilateralistin“.
Carolyn Rodrigues-Birkett, Guyanas UNO-Botschafterin und frühere Außenministerin der People’s Progressive Party, will die Organisation „neu bekräftigen, reformieren und mobilisieren“. MarÃa Fernanda Espinosa aus Ecuador, einst Außen- und Verteidigungsministerin unter Rafael Correa und Vizepräsidentin der Alianza PAIS, fordert in ihrer Bewerbung „Ergebnisse“ statt weiterer Bekenntnisse zum Multilateralismus. Alle vier kommen aus dem lateinamerikanischen Raum und stehen für die übliche UNO-Rhetorik von globalem Engagement, Geschlechtergerechtigkeit und kollektiven Lösungen.
Ein Argentinier und ein Senegalese aus der Mitte als Außenseiter
Rafael Grossi, der amtierende Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, ist der einzige Kandidat, den das von Milei geführte Argentinien nominiert hat. Der Karrierediplomat betont in seiner Bewerbung, multilaterale Institutionen könnten „auch in Zeiten der Spaltung echte, positive Wirkung erzielen“. Macky Sall, früherer Präsident Senegals und Gründer der zentristischen Alliance for the Republic, spricht von einem „neu gestalteten Multilateralismus“ und der Unterstützung des Globalen Südens. Nach der informellen Kontinentalrotation – nach Afrika, Asien und Europa ist Lateinamerika an der Reihe – gelten seine Chancen als gering.
Eine Frau muss es sein – und möglichst links
Guterres selbst erklärte im Jänner bei seiner Jahresauftaktpressekonferenz, es sei „eindeutig Zeit für eine Frau“ an der Spitze der Vereinten Nationen. Die Präsidentin der Generalversammlung, Annalena Baerbock, hatte sich ebenfalls dafür ausgesprochen. Noch nie stand eine Frau an der Spitze der Organisation. Die meisten der jetzt angetretenen Frauen kommen aus linken oder sozialdemokratischen Parteien und Apparaten.
