Nach der Hitzewelle mit neuen Rekorden über 41 Grad in Brandenburg und mehreren Regionen jenseits der 40-Grad-Marke legt das Robert Koch-Institut (RKI) eine Zahl vor, die sofort ins Auge springt: 5.120 geschätzte hitzebedingte Todesfälle bis Ende Juni. Die allermeisten Opfer sollen über 85 Jahre alt gewesen sein. Doch die Schlagzeile täuscht. Es handelt sich nicht um direkt nachgewiesene Hitzschläge auf Sterbeurkunden. Es handelt sich um das Ergebnis eines statistischen Modells.
Die nackten Zahlen aus dem aktuellen RKI-Bericht
In der Kalenderwoche 26 allein, vom 22. bis 28. Juni, schreibt das Institut rund 4.310 hitzebedingte Sterbefälle zu. Insgesamt starben in dieser Woche etwa 23.600 Menschen – knapp 30 Prozent über dem langjährigen Mittel von rund 18.200. Die Übersterblichkeit lag bei mehreren Tausend. Das RKI ordnet den Großteil dieser zusätzlichen Fälle der Hitze zu. Besonders hart getroffen: die Hochbetagten. Fast 2.950 der geschätzten Hitzetoten entfallen auf die Gruppe ab 85 Jahren. Weitere 1.320 kommen aus der Altersgruppe 75 bis 84. Unter 65 Jahren bleiben die Zahlen mit etwa 300 vergleichsweise gering. Absolut sterben mehr Frauen, was vor allem an der demografischen Struktur liegt.
Modell statt Totenschein – das Verfahren hinter den Zahlen
Die Zahlen entstehen nicht durch Auszählung klarer Todesursachen. Hitze tötet selten allein. Sie verstärkt meist bestehende Erkrankungen des Herzens, der Lunge oder demenzielle Leiden. Deshalb greift das RKI auf ein statistisches Modell zurück. Es vergleicht die vom Statistischen Bundesamt gemeldeten Sterbefälle mit jenen, die bei einer Wochenmitteltemperatur von maximal rund 20 Grad zu erwarten wären. Die Differenz gilt als hitzebedingt. Genau dieses Vorgehen gleicht den umstrittenen Methoden der Corona-Jahre, als Modelle Todesfälle bestimmten Kategorien zuordneten. Der staatliche Gesundheitsapparat erzeugt damit eine Parallelrealität, die sich der direkten Nachprüfung weitgehend entzieht.
Negative Schätzungen zeigen die Schwächen des Modells
Besonders aufschlussreich wird es bei den Feinanalysen. In manchen Alters- und Geschlechtsgruppen liefert das Modell sogar negative Werte. Für Frauen unter 65 Jahren reicht das Vorhersageintervall von minus 20 bis 250. Solche Ergebnisse beweisen: Die statistische Unsicherheit ist groß, und die saubere Trennung zwischen normaler Sterblichkeit und Hitzeeffekt gelingt nicht immer. Während das Institut in der Öffentlichkeit mit hohen Gesamtzahlen auftritt, offenbart die Detailbetrachtung die Grenzen der Methode. Die konkrete Lebenswirklichkeit der betroffenen Menschen – hochbetagte Bürger mit Vorerkrankungen in einer überalterten Gesellschaft – wird durch diese Rechenspiele in den Hintergrund gedrängt.
