Das weltweite Privatvermögen ist 2025 kräftig gewachsen, wobei der Anstieg in Europa besonders stark ausfiel. Doch ein genauerer Blick auf Österreich und die Bundesrepublik Deutschland zeigt, dass hohe nationale Durchschnittswerte wenig darüber aussagen, wie viel Vermögen der Großteil der Bevölkerung tatsächlich besitzt.
Schweizer Studie
Nach Berechnungen der großen Schweizer Bankengruppe UBS verfügte ein Erwachsener in Deutschland Ende 2025 im Durchschnitt über ein Nettovermögen von 346.613 US-Dollar. Jenseits des Inns erreichte man damit im internationalen Vergleich den 14. Platz. Österreich kam auf durchschnittlich 279.989 Dollar pro Erwachsenem und belegte Rang 22.
Deutschland übertraf laut diesem „Global Wealth Report“ auch knapp den westeuropäischen Durchschnitt von rund 337.000 Dollar. Österreich lag hingegen deutlich darunter.
Schweiz bleibt an Vermögensspitze
Von der europäischen Vermögensspitze bleiben beide Länder weit entfernt: In der Schweiz beträgt das durchschnittliche Vermögen pro Erwachsenem mehr als 910.000 Dollar, in Luxemburg rund 655.000 Dollar und in Dänemark mehr als 523.000 Dollar. Auch die Niederlande und Belgien liegen mit jeweils mehr als 400.000 Dollar deutlich vor den deutschen Ländern.
Der Median dreht den Vergleich um
Der Durchschnitt wird allerdings stark von besonders großen Vermögen beeinflusst. Aussagekräftiger für die finanzielle Lage der breiten Bevölkerung ist daher das Medianvermögen. Es bezeichnet jenen Wert, bei dem eine Hälfte der Erwachsenen mehr und die andere Hälfte weniger besitzt.
Das österreichische Medianvermögen beträgt 71.378 Dollar, das bundesdeutsche sogar nur 53.485 Dollar. Österreich erreicht in der UBS-Reihung damit Platz 27, die Bundesrepublik gar nur Platz 30.
Deutlich höheres Medianvermögen anderswo
Im Vergleich mit zahlreichen anderen europäischen Staaten fällt das Medianvermögen in den deutschen Ländern niedrig aus. In Luxemburg erreicht es 394.005 Dollar, in Belgien 277.166 Dollar und in Dänemark 203.771 Dollar.
Selbst die Schweiz, die eine besonders große Differenz zwischen Durchschnitt und Median aufweist, kommt noch auf 145.555 Dollar.
Selbst Italien liegt deutlich vor beiden Ländern
Auch viele südeuropäische Länder schneiden bei der Vermögensmitte besser ab. Italien erreicht ein Medianvermögen von 131.001 Dollar, Spanien 111.575 Dollar und Portugal 76.978 Dollar. Österreich liegt damit knapp hinter Portugal. Deutschland landet mit seinen 53.485 Dollar sogar hinter Griechenland, wo der Median 59.162 Dollar beträgt.
Normalbevölkerung deutlich ärmer als Italiener
Bemerkenswert ist vor allem der Vergleich mit Italien: Beim durchschnittlichen Vermögen liegen Österreich und Italien mit rund 280.000 Dollar beinahe gleichauf.
Der italienische Median ist jedoch fast doppelt so hoch wie der österreichische. Deutschland besitzt wiederum einen wesentlich höheren Durchschnitt als Italien, erreicht beim Median aber weniger als die Hälfte des italienischen Wertes. Kurz und gut: bei uns haben die „Durchschnittsmenschen“ deutlich weniger Vermögen.
Millionen Millionäre verändern Deutschlands Durchschnitt
Die starke Konzentration hoher Vermögen zeigt sich auch an der Zahl der Dollar-Millionäre. In Deutschland lebten Ende 2025 nach UBS-Schätzung rund 2,65 Millionen Menschen mit einem Nettovermögen von mindestens einer Million Dollar.
Damit lag die Bundesrepublik weltweit auf Platz vier – hinter den Vereinigten Staaten, China und Japan, aber noch vor Großbritannien und Frankreich. Allein 2025 kamen in Deutschland rund 24.000 Dollar-Millionäre hinzu.
Millionäre zeichnen ein falsches Bild
Diese große Millionärsgruppe trägt dazu bei, den deutschen Durchschnittswert anzuheben. Zugleich macht der niedrige Median sichtbar, dass sich die hohen Vermögen nicht gleichmäßig über die Bevölkerung verteilen.
Ein Land kann daher gleichzeitig über sehr viele Millionäre verfügen und dennoch für den Erwachsenen in der Mitte einen vergleichsweise niedrigen Vermögenswert ausweisen.
Kein Auskunft über Einkommen
UBS zählt zum Nettovermögen Finanzanlagen, private Pensionsvermögen und Sachwerte – vor allem Immobilien – abzüglich der Schulden. Ansprüche aus staatlichen, nicht vollständig kapitalgedeckten Pensionssystemen werden hingegen nicht berücksichtigt.
Die Zahlen sagen daher nichts über das laufende Einkommen oder die Höhe künftiger gesetzlicher Pensionen aus.
Das Eigenheim entscheidet über die Vermögensbilanz
Gerade Wohneigentum spielt für die Vermögensbildung eine entscheidende Rolle. Für den Großteil der Menschen bis in die Gruppe der gewöhnlichen Dollar-Millionäre hinein stellt das selbst genutzte Haus oder die Wohnung laut UBS den wichtigsten einzelnen Vermögenswert dar.
Unterschiede bei Immobilienbesitz, privater Altersvorsorge und der Beteiligung an den Kapitalmärkten können deshalb die Rangfolge der Länder stark beeinflussen.
Europas Vermögensboom hat einen Wechselkurshaken
Insgesamt wuchs das weltweite Privatvermögen 2025 in Dollar gerechnet um 10,8 Prozent. In der Region Europa, Naher Osten und Afrika betrug der Anstieg sogar 17,5 Prozent, in Westeuropa knapp 17 Prozent.
Damit entwickelte sich Europa wesentlich stärker als Amerika und der asiatisch-pazifische Raum.
Bloß Wechselkursgewinne
Ein erheblicher Teil dieses Vorsprungs ist allerdings auf Wechselkurse zurückzuführen. Der Euro gewann 2025 gegenüber dem US-Dollar fast neun Prozent an Wert.
Da die UBS die internationalen Vermögen in Dollar umrechnet, erscheinen die europäischen Zuwächse dadurch größer, als sie in heimischer Währung tatsächlich waren.
