Die türkische ORF-Moderatorin und Kulturjournalistin Ani Gülgün-Mayr erhält keine österreichische Staatsbürgerschaft. Die MA 35, das Amt der Wiener Landesregierung, das in Wien über Staatsbürgerschaften entscheidet, lehnte ihren Antrag ab – Grund: mangelnde Deutschkenntnisse.
Türkin konnte Deutsch-Kenntnisse nicht nachweisen
In einem dreiseitigen Brief erläutert die Behörde laut dem linken Wiener Stadtmagazin Falter, warum Gülgün-Mayr die Voraussetzungen nicht erfüllt. Wörtlich heißt es darin: „Voraussetzung jeder Verleihung ist der Nachweis ausreichender Deutschkenntnisse sowie von Grundkenntnissen der demokratischen Ordnung und der Geschichte Österreichs.“ Diesen Nachweis habe die ORF-Kulturjournalistin nicht erbracht.
Die Frau, die im zwangsfinanzierten Staatsfernsehen Deutsch unterrichtete, konnte der Behörde nicht ausreichend nachweisen, dass sie Deutsch beherrscht. In der Corona-Zeit moderierte Gülgün-Mayr eine Fernsehsendung, in der Menschen Deutsch lernen konnten. Heute spricht die Türkin auf ORF III mit Schriftstellern über Literatur.
Lange Karriere in Mainstream-Medien
Gülgün-Mayr kam 1972 als Gastarbeiterkind aus Istanbul nach Wien. Sie arbeitete unter anderem im Gründungsteam des linksliberalen Standard und landete schließlich beim ORF. Sie gehörte zu den ersten türkischen Moderatorinnen im österreichischen Fernsehen. Einst moderierte sie die Sendung „Heimat, fremde Heimat“.
Bei Mario Dujaković, Sprecher von SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig, wurde nachgefragt. Die MA 35 sei seit Kurzem unter neuer, fortschrittlicher Führung. Das sei gewiss keine böse Absicht.


