Die Chefin der SPÖ-Graz, Doris Kampus, stellt klar: „Das Modell der vergangenen Jahre würden wir nicht wiederholen.“

9. Juni 2026 / 10:58 Uhr

SPÖ Graz öffnet Tür zur FPÖ: „Das Modell der vergangenen Jahre würden wir nicht wiederholen“

Die Grazer SPÖ-Chefin Doris Kampus hat im Interview mit dem Standard klare Kante gezeigt. 20 Tage vor der Gemeinderatswahl am 28. Juni 2026 macht sie unmissverständlich klar: Das bisherige Modell, in dem die SPÖ als Mehrheitsbeschafferin für die KPÖ-Grünen-Koalition unter Bürgermeisterin Elke Kahr fungierte, ohne selbst im Stadtsenat vertreten zu sein, soll nicht fortgesetzt werden.

„Das Modell der vergangenen Jahre würden wir nicht wiederholen“

Kampus knüpft eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit KPÖ und Grünen ausdrücklich an einen eigenen Sitz im Stadtsenat. In dem Standard-Interview heißt es:


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In den vergangenen Jahren unterstützte die SPÖ die KPÖ-Grünen-Koalition im Grazer Gemeinderat und sicherte dort häufig die Mehrheiten. Dieses Modell soll es künftig nicht mehr geben

In den Jahren nach der letzten Wahl hatte die SPÖ mit ihren Mandaten immer wieder linke Vorhaben abgesichert, blieb aber selbst ohne Ressort außen vor. Diese Rolle als Juniorpartner ohne Gestaltungsmacht will die Partei unter Kampus nicht länger akzeptieren.

Pragmatismus statt Lagerdenken

Kampus betont zwar, dass ihr eine linke Alternative lieber wäre. Dennoch lässt sie die Option einer Zusammenarbeit mit der FPÖ offen. Das wäre in der steirischen Landeshauptstadt ein Novum und könnte zu einer Blau-Schwarz-Roten Konstellation führen. „Wenn wir nicht stark genug sind und nicht in den Stadtsenat kommen, gibt es diese Koalition nicht mehr“, hatte Kampus bereits in einem früheren Interview mit dem Kurier (17. Mai 2026) klargestellt. Die Forderung nach einem eigenen Sitz – vor allem im Gesundheitsbereich – ist unmissverständlich. Ohne diesen soll es keine Unterstützung mehr geben.

Wandel in der roten Stadtpartei

Doris Kampus, seit 2023 Vorsitzende der Grazer SPÖ, zieht aus den Erfahrungen der letzten Legislaturperiode Konsequenzen. Nach der Wahl 2021 verpasste die SPÖ den Einzug in den Stadtsenat und blieb auf die Rolle des Zulieferers beschränkt. Diesen Fehler will sie nicht wiederholen.

Die Offenheit gegenüber der FPÖ zeigt, dass in Graz zunehmend pragmatische Mehrheitsfindung über starre ideologische Grenzen geht. Die aktuelle Umfragelage sieht die KPÖ mit Elke Kahr vorne, während es um die weiteren Plätze eng zugeht. Die SPÖ kämpft um den Wiedereinzug in den Stadtsenat und positioniert sich selbstbewusster.

Folgen für die Stadtpolitik

Die Gemeinderatswahl am 28. Juni 2026 in Graz wird damit zur Richtungsentscheidung. Bleibt es bei einer linken Mehrheit unter einer KPÖ-Führung oder kommt es zu anderen Konstellationen wie etwa zu einer Zusammenarbeit zwischen FPÖ, ÖVP und SPÖ?

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