Christian Stocker

Die ÖVP unter Kanzler Stocker schreibt seit Jahren Klimaneutralität 2040, “Raus aus Gas” und das Ende fossiler Energieträger auf ihre Fahnen. Gleichzeitig feiert sie die Gasproduktion in Wittau in Niederösterreich.

19. Mai 2026 / 08:59 Uhr

OMV startet neue Gasförderung – und zeigt die Doppelmoral der ÖVP

Die OMV hat im niederösterreichischen Wittau die Förderung eines Erdgasvorkommens aufgenommen, das mit potenziell bis zu 48 Terawattstunden förderbaren Ressourcen als größter heimischer Gasfund seit rund 40 Jahren gilt. Damit können rund 100.000 Haushalte zehn Jahre lang beheizt werden.

Beitrag zur Versorgungsicherheit

Für die Bundesregierung, das Land Niederösterreich und die OMV ist das Erdgas aus dem Bezirk Gänserndorf östlich von Wien ein strategisches Projekt für mehr Versorgungssicherheit.


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So weit, so richtig. Für die FPÖ ist der Produktionsstart daher auch ein Beweis dafür, dass Österreich auch in den kommenden Jahren nicht ohne Erdgas auskommen wird – und dass die ÖVP ihre bisherige Energiepolitik neu ausrichten müsse.

Schwarze Widersprüche entlarvt

Denn „heute feiert die ÖVP den Start der heimischen Gasproduktion in Wittau als historischen Beitrag zur Versorgungssicherheit. Gleichzeitig schreibt dieselbe ÖVP seit Jahren Klimaneutralität 2040, ,Raus aus Gas‘ und das Ende fossiler Energieträger auf ihre Fahnen. Das ist keine Energiepolitik, das ist maximale Verbiegung in Reinform“, so die beiden FPÖ-Energiesprecher Axel Kassegger und Paul Hammerl.

Gas bleibt unverzichtbar

Kassegger und Hammerl sehen im Projekt Wittau eine Bestätigung ihrer langjährigen Forderung nach einer realistischeren Energiepolitik. Österreich brauche Erdgas weiterhin – für die Industrie, für stabile Energiepreise, für die Versorgungssicherheit und für den Wirtschaftsstandort:

Wer Gas ideologisch verteufelt, gefährdet Arbeitsplätze, Wohlstand und die industrielle Basis unseres Landes.

Leistbare Energie

Besonders mit Blick auf energieintensive Betriebe sei eine leistbare und verlässliche Gasversorgung entscheidend.

Die FPÖ verweist darauf, dass in den vergangenen Jahren bereits mehr als 36.000 Industriearbeitsplätze verloren gegangen sind. In dieser Lage sei es aus ihrer Sicht nicht glaubwürdig, einerseits heimische Gasproduktion zu feiern und andererseits politisch den Ausstieg aus Gas zu forcieren.

Steigende Bedarf an Energie

Auch für die Stromversorgung werde Gas weiter gebraucht, argumentieren Kassegger und Hammerl. Der steigende Bedarf durch Digitalisierung, Rechenzentren, Industrie und Elektrifizierung könne nicht allein durch wetterabhängige Erzeugung gedeckt werden.

Gaskraftwerke seien als flexible, steuerbare Kraftwerke notwendig, wenn Wind und Sonne nicht ausreichend liefern.

OMV investiert 150 Millionen Euro in erste Phase

Die OMV hat für die erste Erschließungsphase in Wittau rund 150 Millionen Euro investiert. Etwa 70 Millionen Euro entfielen auf Bohrungen, rund 80 Millionen Euro auf Infrastruktur und Anlagen. Dazu zählen unter anderem technische Einrichtungen zur Aufbereitung des Gases sowie die Anbindung an bestehende Infrastruktur.

Bereits im Winter 2026/27 soll das Wittauer Gas zur Verfügung stehen. Es sichert die Beschäftigung von 1.900 OMV-Mitarbeitern, davon etwa 420 am Standort Gänserndorf. Indirekt sollen durch die Tätigkeit des Konzerns rund 11.000 Arbeitsplätze in Niederösterreich gesichert werden.

Hohes Potenzial in Niederösterreich

Bei vollständigem Ausbau könnte Wittau nach Angaben der OMV die heimische Gasproduktion des Konzerns verdoppeln.

Für einen weiteren Ausbau in der Region nennt das Unternehmen ein mögliches Investitionsvolumen von rund 500 Millionen Euro, abhängig von künftigen Entscheidungen und Marktbedingungen.

Regierung spricht von strategischer Bedeutung

Womit der Ball wieder bei der Energiepolitik der Bundesregierung liegt.

Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) bekennt sich zum vollständigen Ausbau, um „Österreich widerstandsfähiger, unabhängiger und krisenfester zu machen“.

Wirtschafts- und Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) sprach von einem wichtigen Signal für den Standort. Österreich wolle industriell wieder stärker werden und in die Gruppe der Top-Industrienationen aufsteigen. Dafür seien stabile Energiepreise und eine verlässliche Versorgung zentrale Voraussetzungen.

Niederösterreich betont „Realitätssinn und Hausverstand“

Auch Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner stellte den Produktionsstart in einen breiteren energiepolitischen Zusammenhang. Energiepolitik müsse „realistisch, verantwortungsvoll und verlässlich“ sein, sagte sie. Und weiter:

Energiepolitik braucht nicht Ideologie und Wunschdenken, sondern Realitätssinn und Hausverstand.

Heimische Förderung bisher nur kleiner Anteil

Genau darum geht es der FPÖ, wenn sie auf die Widersprüchlichkeit der ÖVP-Politik hinweist. Für Kassegger und Hammerl zeigt Wittau, dass die bisherige Ausrichtung auf einen raschen Ausstieg aus fossilen Energieträgern nicht zur energiepolitischen Realität passe.

Denn Österreichs eigene Gasproduktion deckte zuletzt nur einen geringen Teil des Bedarfs. 2024 lag der Inlandsverbrauch bei 74,4 Terawattstunden, die heimische Förderung deckte davon nur rund sechs Prozent. Durch Wittau könnte dieser Anteil zunächst auf etwa neun bis zehn Prozent steigen. Im Vollausbau wird ein noch höherer Beitrag zur Eigenversorgung erwartet.

FPÖ kündigt Antrag im Nationalrat an

Die FPÖ will nun in der kommenden Nationalratssitzung einen Antrag zur Forcierung der heimischen Erdgasförderung einbringen.

Die Bundesregierung soll demnach einen umfassenden Bericht samt Maßnahmenplan vorlegen. Gefordert werden unter anderem eine vollständige Erhebung aller österreichischen Erdgas-Förderpotenziale, eine Aktualisierung früherer Schätzungen, eine Bewertung technisch und wirtschaftlich förderbarer Mengen sowie ein konkreter Zeit- und Umsetzungspfad für nutzbare Vorkommen.

„Gas ist kein Feindbild“

Die Bundesregierung müsse aufhören, aus Sicht der FPÖ unrealistischen energiepolitischen Konzepten zu folgen. „Gas ist kein Feindbild, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil einer realistischen Energieversorgung“, so die FPÖ-Energiesprecher.

Kritik von Greenpeace und Neos

Während ÖVP, OMV und FPÖ die Bedeutung heimischer Gasförderung hervorheben, kommt Kritik von linker Seite.

Greenpeace lehnt zusätzliche Investitionen in fossile Energie ab. „Statt in dringend benötigten Klimaschutz investiert die OMV lieber in den Ausbau ihres klimaschädlichen Öl- und Gasgeschäfts“, kritisierte Marc Dengler von Greenpeace Österreich. Langfristige Unabhängigkeit und Krisenfestigkeit seien nur mit erneuerbaren Energien erreichbar.

Auch die Neos in Niederösterreich sehen Wittau zwar als Beitrag zur Versorgungssicherheit, warnen aber vor überzogenen Erwartungen. Erdgas bleibe eine Übergangslösung und dürfe nicht als Zukunftsstrategie missverstanden werden. Entscheidend sei ein schnellerer Ausbau erneuerbarer Energien.

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