Karl Nehammer, der als Bundeskanzler ein historisches Budgetloch hinterließ und dessen Koalition mit den Grünen mit der Abwahl der Regierung endete, hat sich einen der lukrativsten Posten gesichert, die die EU zu vergeben hat. Seit September 2025 amtiert der ehemalige ÖVP-Chef als Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) in Luxemburg. FPÖ-Nationalratsabgeordnete Susanne Fürst thematisierte den bemerkenswerten Karrieresprung nun in einem Video und stellte die Frage nach der Qualifikation des Ex-Kanzlers für diesen Posten.
Vom Ballhausplatz nach Luxemburg
Die Europäische Investitionsbank ist das Finanzierungsinstrument der Europäischen Union und vergibt jährlich Kredite in dreistelliger Milliardenhöhe. Als einer von mehreren Vizepräsidenten gehört Nehammer nun zum engsten Führungskreis dieser Institution. Die Position bringt laut EU-Gehaltsschema ein Grundgehalt von über 20.000 Euro monatlich mit sich, hinzu kommen Zulagen, die das Gesamtpaket auf etwa 30.000 Euro und mehr heben können. Fürst spricht in ihrem Video von „33.000 Euro brutto pro Monat” und einem „Luxusbüro”.
Die Nominierung für den Posten erfolgte noch während der schwierigen Regierungsbildungsphase nach der Nationalratswahl 2024. Nehammer hatte nach dem Wahldebakel der ÖVP und dem Scheitern der Koalitionsverhandlungen seinen Rücktritt als Parteichef und Kanzler erklärt. Wenige Wochen später stand seine Nominierung für den EIB-Posten fest, ein Vorgang, der in Österreich für erhebliche Kritik sorgte.
Rekorddefizit als Visitenkarte
Die FPÖ-Abgeordnete hält mit ihrer Bewertung nicht hinter dem Berg:
Qualifikation? Null. Ich würde sogar sagen im Minusbereich(…)Seine Kanzlerschaft war geprägt von Rekordschulden und von einem Budgetloch, das von Tag zu Tag nach der Wahl größer wurde.
Tatsächlich hinterließ die türkis-grüne Regierung ein Budgetdefizit, das weit über den EU-Vorgaben lag. Die nachkommende Regierung sah sich mit einem Konsolidierungsbedarf in Milliardenhöhe konfrontiert. Kritiker werfen Nehammer vor, das wahre Ausmaß der Haushaltslage vor der Wahl verschleiert zu haben.
Der Weg zum EU-Posten
Für die Besetzung von EIB-Vizepräsidentenposten nominieren die Mitgliedstaaten ihre Kandidaten, die formelle Ernennung erfolgt durch den Rat der EU. Österreich schlug Nehammer für diesen Posten vor. Ein Vorgang, der noch unter seiner eigenen Kanzlerschaft eingeleitet wurde. Die fehlende Bank- oder Finanzexpertise ist dabei kein formales Hindernis: Die EIB-Führungspositionen werden traditionell nach politischem Proporz und nicht nach fachlicher Qualifikation besetzt. Fürst ordnet die Personalie politisch ein:
 Als Kanzler spielte er brav mit in Brüssel. Er war Scharfmacher in Sachen Corona, Scharfmacher in Sachen Ukraine und er gab markige Sprüche ab in Sachen Brandmauer gegen die FPÖ. Das ist wahre Qualifikation für einen EU-Topjob.
Kiew-Reise sorgt für Spott
Anlass für Fürsts Video war ein Kiew-Besuch Nehammers in seiner neuen Funktion. Österreichische Abgeordnete, darunter der Neos-Mandatar Helmut Brandstätter, trafen den Ex-Kanzler dort nach Fürsts Darstellung „völlig entspannt” an. Die EIB ist stark in der Finanzierung von Wiederaufbauprojekten in der Ukraine engagiert, was Dienstreisen in das Kriegsgebiet für ihre Führungskräfte mit sich bringt.
Fürst kommentiert den neuen Habitus des Ex-Kanzlers mit Spott:
Er versucht sich als edler Statesman mit Bart. Gibt großartige Interviews und lässt uns an seinen unglaublichen politischen Erfahrungen teilhaben.(…) Man kann nun einmal kein edler Statesman sein, wenn man nie auch nur ansatzweise ein Staatsmann gewesen ist.
Ein Muster der Versorgung
Der Fall Nehammer reiht sich in eine lange Liste von Politikern ein, die nach dem Ende ihrer nationalen Karriere in gut dotierten EU-Positionen unterkamen. Kritiker sprechen von einem Versorgungssystem, das loyales Verhalten gegenüber der europäischen Linie belohnt. Die FPÖ, die sich traditionell kritisch gegenüber dem EU-Establishment positioniert, sieht in Nehammers Karrieresprung einen Beleg für diese These.
