Der „Wut-Greisler“ arbeitete sich an SPÖ-Vizekanzler Andreas Babler ab, denn dessen Mini-Mehrwertsteuer-Senkung bringt den Bürgern kaum Entlastung, kleinen Betrieben jedoch mehr Bürokratie und damit unnötige Kosten.

1. Juli 2026 / 12:01 Uhr

Mehr Bürokratie, neue Belastungen: Mini-Rabatt auf Mehrwertsteuer trifft kleine Betriebe

Die Mini-Mehrwertsteuer-Senkung der Verlierer-Ampel bringt der Bevölkerung zwar kaum Entlastung, dafür aber umso mehr Bürokratie, wie das Beispiel eines Wiener Greißlers zeigt – der SPÖ-Vizekanzler Andreas Babler eine symbolische Rechnung über 372 Euro schickte.

Neue Belastungen für kleine Betriebe

Der Feinkosthändler rechnete gegenüber oe24.at vor, wie viel Mehrkosten ihm entstehen: Der Händler, Fritz Kohut, betreibt nach eigenen Angaben den einzigen Nahversorger in seinem Stadtteil und sieht sich durch die neue Regelung besonders belastet. Er argumentiert, dass die Maßnahme zwar Kunden entlasten solle, die praktische Umsetzung aber vor allem kleine Betriebe treffe.

Komplexe Regeln sorgen für Chaos

Kohut bemängelt vor allem die Komplexität der neuen Regeln. Besonders störend sei, dass ähnliche Produkte teils unterschiedlich besteuert würden und dadurch Kassensysteme, Preisauszeichnungen und Arbeitsabläufe angepasst werden müssten. Die Rechnung setzt sich aus zwei Posten zusammen: 84 Euro für ein Kassensoftware-Update und 288 Euro für acht Arbeitsstunden inklusive Überstundenzuschlag. Zusammen ergibt das 372 Euro.

Der Händler sieht darin nicht nur eine direkte finanzielle Belastung, sondern auch verlorene Arbeitszeit. Gerade für kleine Betriebe könne eine solche Umstellung rasch zu einem spürbaren administrativen Problem werden.

Mehr Bürokratie durch verschiedene Mehrwertsteuersätze

Die Bürokratie entsteht vor allem durch die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze innerhalb ähnlicher Produktgruppen, weil Händler jedes Produkt korrekt einordnen, im Kassensystem hinterlegen und bei Preisänderungen laufend anpassen müssen. Genau diese kleinteiligen Unterschiede erhöhen den Prüf-, Dokumentations- und Schulungsaufwand, machen Abrechnung und Kontrolle komplizierter und führen gerade bei kleinen Betrieben schnell zu zusätzlicher Arbeitszeit und Kosten.

Dass Babler die symbolische Rechnung begleicht, ist unwahrscheinlich – jedoch werde der Greißler es die Öffentlichkeit „bestimmt wissen lassen“, so oe24.

Realität zeigt: Für Verbraucher wird es nicht günstiger

Dass die Mini-Mehrwertsteuer-Senkung nicht beim Verbraucher ankommt, zeigt auch der Praxis-Test: Kostete Anfang Jänner ein Viertel Butter (Eigenmarke) noch 1,29 Euro, sind es mit Inkrafttreten der Steuersenkung am heutigen Mittwoch 1,51 Euro. Billiger scheint also kaum etwas geworden zu sein – auch wenn die Regierung Bablers Steuer-Rabatt als großen Wurf verkauft.


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