Mitten im Alltag einer österreichischen Billa-Filiale steht sie: die alleinerziehende Verkäuferin. Sie scannt Ware für Ware, rechnet abends ab, erhält ihren Lohn und weiß genau, dass ein Teil ihrer Abgaben in ein System fließt, das Tausenden ausländischen Studenten ein nahezu kostenloses Studium ermöglicht.
Frage nach sozialer Gerechtigkeit
In der kommenden Woche laufen wieder die Aufnahmetests an den Universitäten. Tausende Studienwillige aus dem Ausland, vor allem aus Deutschland, drängen auf die begehrten Plätze. An den staatlichen Universitäten sind die Erstsemestrigen mit rot-weiß-rotem Pass in manchen Bereichen längst in der Minderheit.
Genau hier setzt Franz Schellhorn, Direktor der Agenda Austria und profil-Kolumnist, an. Die alleinerziehende Billa-Verkäuferin mit ihrer Steuerleistung finanziere das knapp 300.000 Euro teure Zahnmedizinstudium des Sprösslings einer deutschen Arztfamilie mit. Dieser absolviere das Studium in Wien und kehre danach zurück, um die elterliche Praxis in München zu übernehmen. Schellhorn zufolge gehen fast 90 Prozent der in Wien ausgebildeten deutschen Zahnmediziner wieder in die Heimat. Österreich investiert also kräftig in Humankapital, das anschließend woanders Früchte trägt.
Die bittere Rechnung der Gratis-Uni
Schellhorn bringt die Schieflage in seinem aktuellen Beitrag für das profil auf den Punkt:
Österreich ist heute so etwas wie die Gratisuni für halb Europa: Die Billa-Verkäuferin zahlt das Gratisstudium des deutschen Arzts Sohnes. Sozial ist das nicht.
Ein System, das die Schwächsten belastet
Die Universitäten werden größtenteils aus dem österreichischen Steuerbudget finanziert. EU-Bürger zahlen innerhalb der Regelstudienzeit plus zwei Toleranzsemester nur den kleinen ÖH-Beitrag von rund 26 Euro pro Semester. Den Löwenanteil für Professoren, Hörsäle, Gebäude und Betrieb tragen heimische Steuerzahler, auch Geringverdiener über Lohnsteuer, Mehrwertsteuer und Abgaben.
Einführung der Studiengebühr wäre ehrlicher
Schellhorn schlägt vor, wieder Studiengebühren einzuführen und gleichzeitig mit einem gezielten Stipendiensystem sicherzustellen, dass alle heimischen Maturanten unabhängig von ihrer sozialen Herkunft einen Platz bekommen. Das wäre ehrlicher und treffsicherer als das aktuelle Modell, das offen für ganz Europa ist und die Kosten auf die breite Masse der österreichischen Steuerzahler verteilt.
