Ein Kenner des Staatsfunks hat gegenüber der Tageszeitung Heute schwere Vorwürfe gegen den ORF erhoben. Demnach sollen gezielt ältere Mitarbeiterinnen, vor allem Frauen über 50, aus dem Unternehmen gedrängt werden.
Fall von Wettermoderatorin polarisiert
Im Mittelpunkt steht der Abgang von Christa Kummer, die seit 1995 das Wetter im ORF moderiert hat. Nach 30 Jahren endete ihr Vertrag im September 2025. Laut ORF sei die Entscheidung, dass der Vertrag von Kummer mit dem Erreichen ihres regulären ASVG-Pensionsantrittsalters ausläuft, bereits 2022 einvernehmlich getroffen worden. Eine Kündigung habe es nicht gegeben.
Ältere Frauen verlassen den Sender
Kummer selbst hatte im Kurier Kritik an der Vorgangsweise geäußert:
Es ist enttäuschend, dass Menschen, die agil sind und gerne noch arbeiten möchten, in unserem Land bereits ab 50 oder 55 Jahren kaum noch Chancen am Arbeitsmarkt haben.
Mit Kummer haben in kurzer Zeit mehrere Moderatorinnen den Sender verlassen, darunter Verena Scheitz (53), Claudia Reiterer (57) und Birgit Fenderl (54). Ein anonymer Mitarbeiter sprach in der Kronen Zeitung von einem klaren Muster:
Am Küniglberg fällt es mittlerweile auf, dass alle älteren Leute, vor allem Frauen, es sind, die da eliminiert werden. Dabei produzieren wir ja auch Programm für mitunter ältere Seher. Die Leute wurden im Vorfeld nicht darüber informiert, dass ihre Verträge nicht verlängert werden. Die Menschen wurden oft vor vollendete Tatsachen gestellt.
“Nur die Spitze des Eisbergs”
Ein weiterer Kenner des Unternehmens erklärte gegenüber Heute:
Frauen im ORF-Newsroom verschwinden einfach, und niemand fragt, “warum“.
Kummer hätte lieber weitergearbeitet, meinte er. Doch ihr Vertrag wurde nicht verlängert, sie sei nur die Spitze des Eisberges. Der ORF hingegen weist alle Vorwürfe von Altersdiskriminierung zurück.
Frauen leiden unter sexueller Belästigung
Der Mitarbeiter berichtete zudem von Fällen sexueller Belästigung und strukturellem Druck:
Wenn Frauen sich wehren und dann sagen, die Kündigung war nicht in Ordnung, dann werden sie weiter unter Druck gesetzt. Man muss wissen, der ORF ist ein Machtfaktor in der Republik. Und wenn die Frau, die Angst um ihr Image und ihr Gesicht hat, dann sagt: “Ich rede darüber, was mir widerfahren ist”, wie etwa die ORF-Managerin, die angeblich einen Dreier gegenüber ihrem Vorgesetzten verweigert und das auch öffentlich in einem Prozess ausgesagt hat. Was passiert mit solchen Frauen, die sich trauen, über solche Demütigungen zu sprechen? Sie wurde fristlos entlassen.
Appell an ORF-Mitarbeiter: offen über Erfahrungen sprechen
Anschließend appellierte er:
Man würde sich wünschen im Sinne eines öffentlich-rechtlichen Senders, dass diese Menschen wieder offen sprechen, was ihnen widerfahren ist. Dass Frauen gedemütigt wurden und dass Frauen unter sehr eigenartigen Bedingungen plötzlich gekündigt wurden. (…) Gleichzeitig behaupten immer noch alle, dass sie von nichts wüssten. Ich würde mir mehr Öffentlichkeit wünschen und mehr Menschen, die sprechen.


