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22. Oktober 2010 / 12:31 Uhr

Revolte in Frankreich

Wenn die Regierung eines Landes sich über eine längere Zeit hinweg gegen den Willen des Volkes stellt, so bauen sich Spannungen auf. Dies mag in den meisten Ländern der Fall sein – Frankreichs Regierung und der Präsident Sarkozy jedoch haben nun offenbar eine Grenze überschritten: Eine geplante Anhebung des Pensionsalters auf 62 Jahre hat fast 3 Millionen Franzosen zu einem weitreichenden Streik bewegt. Obwohl bereits Städte von marodierenden Jugendbanden verwüstet werden, hält Sarkozy an seiner Reform fest, glaubt an die Unterstützung des Volkes und möchte die zahlreichen Blockaden "notfalls mit Gewalt" brechen.

80 Prozent lehnen Sarkozys Pensionsreform ab

Frankreich ist somit zu einem Musterbeispiel dafür geworden, was passiert, wenn der Volkszorn durch überhebliche Politik immer weiter geschürt wird. Sarkozy hält an seiner Reform fest – will diese sogar noch vor den Herbstferien durchbringen, um der Protestbewegung den Antrieb zu nehmen – während fast 80% des Volkes mehr Verhandlungen über das neue Gesetz fordern. Positiv betrachtet er sogar die "hohe" Zahl von 54 Prozent, die den radikalen Aktionen der Protestteilnehmer entgegengestellt sind.


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BildMittlerweile sind ein Drittel der französischen Tankstellen ohne Benzin: Die Treibstofflagerstellen werden von den Streikenden belagert, sämtliche Raffinerien Frankreichs sind heruntergefahren. In Lyon brennen Autos, Geschäfte wurden ausgeräumt, und die Polizei versucht, mittels Tränengas gegen Jugendliche vorzugehen, die sich Straßenschlachten mit den Sicherheitskräften liefern. Auch eine besetzte Schule wurde bereits ein Raub der Flammen. Doch die Regierung ist fest entschlossen, ihren Kurs zu halten – ebenso wie die Gewerkschaften, die Verursacher des Streiks.

Obwohl die Franzosen sich bewusst sind, dass eine finanzielle Reform nötig ist, halten sie Sarkozys Vorschlag für unausgereift – auch viele Jugendliche, die von der Anhebung des Pensionsalters profitieren sollten. Sie befürchten jedoch ein verknapptes Arbeitsplätzeangebot und ein für sie de facto noch viel höheres Pensionsalter, insbesondere dann, wenn sich auch ihre Ausbildungszeit verlängert.

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Noch am heutigen Freitag soll die Abstimmung nun stattfinden, die Streikenden versprechen "gleichbleibenden Druck, wenn nicht mehr", und in den Hauptstädten des Streiks gehen die Straßen nach wie vor in Zerstörung und Abfall unter.

Foto: marcovdz / flickr


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