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2. März 2011 / 10:39 Uhr

Guttenbergs Schadensbilanz bei der Bundeswehr

Martin GrafWenn die Plagiatsaffäre den deutschen Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg auch nichts an Beliebtheit bei der Bevölkerung einbüßen ließ, so bedeutete sie doch das Ende seiner politischen Karriere. Deutschlands neuer Polit-Star musste als gefallener Held seinen Rücktritt verkünden. „Wenn es auf dem Rücken der Soldaten nur noch um meine Person gehen soll, kann ich dies nicht mehr verantworten“, sagte der CSU-Politiker.

Martin Graf

Kommentar von Martin Graf

Diese Begründung für seinen Rückzug passt ins Bild jener Verklärung, welche die Debatte über Guttenbergs wissenschaftliche Schummelei für sein Wirken als Verteidigungsminister darstellt. Immerhin ist er jener Minister, der in Deutschland als Abschaffer der Wehrpflicht in die Geschichte eingeht. Dies betrieb er mit einer derartigen Energie, dass die Folgen der Entscheidung offenbar überhaupt nicht bedacht wurden. Wenige Stunden vor Guttenbergs überraschendem Rückzug wandten sich die Medien plötzlich diesen Problemen zu.  Die „Financial Times Deutschland“ warf die Frage auf, ob er sich den tatsächlich in seinem Job bewähre, wie Kanzlerin Merkel zu seiner Verteidigung stets beteuert hatte. „Und da könnten ein paar Hundert fehlende Rekruten für ihn gefährlicher werden als Hunderte fehlende Fußnoten“, mutmaßte die Zeitung. Denn es seien alarmierend wenige Menschen, die sich nach der Aussetzung der Wehrpflicht noch für die Bundeswehr interessierten. Für den Einberufungstermin April entspreche die bisherige Zahl der Freiwilligen nur zehn Prozent des Solls, heißt es in Unterlagen aus dem Verteidigungsministerium.

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Vor diesem Hintergrund überrascht es wenig, dass nur kurz nach der Abschaffung der Wehrpflicht auch Vorschläge publik wurden, für die Bundeswehr auch Angehörige anderer Staaten zu rekrutieren. Insbesondere die große türkische Gruppe steht hier im Fokus. Dass die Türkei ihre Staatsbürger selbst zum Militärdienst einzieht, wollte man mit bilateralen Verhandlungen umschiffen. Weitere Zugeständnisse im Austausch gegen Rekruten würde das bedeuten.

Deutschland – und das ist das wirklich Alarmierende für die Debatte in unserem Land – will pro Jahr 15.000 Freiwillige gewinnen und schafft das offensichtlich nicht. Österreich hat bei einem Zehntel der Einwohnerzahl ein Ziel von 2500 Freiwilligen. Es müssten also in Relation fast doppelt so viele Österreicher einrücken wie Deutsche – angesichts der Erkenntnisse in unserem Nachbarland eine völlig unrealistische Annahme.

Karl-Theodor zu Guttenberg hat also der Landesverteidigung mindestens ebenso geschadet wie der Wissenschaft.  Wenn die SPÖ und Verteidigungsminister Darabos diesen Weg in die Sackgasse dessen ungeachtet fortsetzen, muss man von einer vorsätzlichen Zerstörung des Bundesheeres sprechen.

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